Immer wenn es im Winter kälter wird, als von der ARD erlaubt, geistert durch die deutschen Medien hektisch eine Frage: Sind die deutschen Gasspeicher noch voll? Oder sind sie schon halb leer, beziehungsweise: Ist überhaupt noch was drin? So weiß zum Beispiel das ZDF: „Der Winter ist kälter als gedacht und die Gasspeicher weniger gefüllt als erhofft“, weshalb der Bezahlsender einfühlsam fragt: „Müssen sich Verbraucher Sorgen machen?“
Und in der Tat: Es ist kalt in Deutschland, die Gasspeicher Deutschlands leeren sich in rasantem Tempo. Der Füllstand ist inzwischen auf unter 45 Prozent gefallen – ein historischer Tiefstwert. Womit wir bei der Gretchenfrage der deutschen Medien in jedem Winter wären: Werden bei uns jetzt irgendwann die Heizungen kalt und die Industrieanlagen abgeschaltet, weil in den deutschen Gasspeichern zu wenig Gas drin ist?
Zahlreiche Rohre verlaufen an einer technischen Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden.
Um die Antwort darauf zu wissen, müssen wir zuerst fragen: Was sind diese mysteriösen Gasspeicher, von denen wir immer hören und lesen, die aber nie einer aus der Nähe gesehen hat, eigentlich genau? Welche Funktion haben sie? Wo sind die eigentlich? Wer sind ihre Eigentümer? Wie viele gibt es, wie groß sind sie, und wie lange reicht das darin gespeicherte Erdgas tatsächlich, wenn es einmal hart auf hart kommt? Und überhaupt: Hat nicht der grüne Wirtschaftsminister Habeck, der so viel wusste, nicht auch gewusst, dass unser russisches Erdgas nach und nach durch LNG (wird gleich erklärt) abgelöst wird, weshalb gut gefüllte Speicher bald überflüssig sind?
Beginnen wir mit der Funktion: Was tun Gasspeicher, und wozu gibt es die überhaupt? Antwort: Gasspeicher fungieren im Grunde als eine Art Batterie oder als ein Puffer. Das bedeutet: Das Gas, das rund um die Uhr in Industrieanlagen und in den Gasbrennern von Millionen Haushalten verbrannt wird, kommt im laufenden Betrieb nicht aus Speichern, sondern aus Pipelines, die es direkt, hauptsächlich aus Norwegen, zu uns bringen. Gäbe es keine Gasspeicher, dann käme die Gasversorgung trotzdem nicht sofort zum Erliegen, weil ständig Gas aus einem System von Pipelines, das ganz Europa durchzieht, nachströmt. Nun kann aber jede Leitung unterbrochen, sabotiert oder zerstört werden, was in der Tat zu einer längeren Unterbrechung der Gasversorgung führen könnte – und da kommen jetzt die Gasspeicher ins Spiel.
Auch in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) wird Gas verdichtet und gespeichert.
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