Großer Zinserhöhungstag in Frankfurt: Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ihre drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent.
Die Zinsentscheidung fällt in ein Umfeld zügig steigender Renditen am Anleihemarkt – nach Einschätzung von Marktbeobachtern der eigentlich treibende Faktor des geldpolitischen Schritts. Zentralbanken orientieren sich nachweislich an der Entwicklung marktentscheidender Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren; im Falle der EZB ist dies die deutsche Bundesanleihe, die als Zinsanker der gesamten Eurozone fungiert. Seit Beginn des Nahost-Konflikts haben sich die Markterwartungen für die EZB binnen weniger Tage von einer leichten Zinssenkung zu Erhöhungen von mehr als 40 Basispunkten gedreht, während die Renditen deutscher Bundesanleihen zeitweise auf den höchsten Stand seit 2009 kletterten.
Man kann es auch so sagen: Der Zinshochlauf an den Märkten – eine Mixtur aus höheren Inflationserwartungen und dem schleichenden Verlust haushaltspolitischer Kreditwürdigkeit – übt immensen Druck auf die Geldpolitik aus, mit der Verteuerung des Kredits den Preisauftrieb abzubremsen. Für Deutschland meldete das Statistische Bundesamt zuletzt eine Inflationsrate von 2,9 Prozent. In der Eurozone liegt sie im Jahresvergleich bei 3,4 Prozent und damit deutlich über der Zielvorgabe von Christine Lagardes EZB von 2 Prozent jährlicher Preissteigerung.
Auf der anschließenden Pressekonferenz richtete EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Aufmerksamkeit auf den Nahost-Konflikt als eigentliche Ursache des Preisdrucks. Sie machte die steigenden Energiepreise im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus als Ursache der Inflation aus, die nun über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich über dem Zielwert der EZB liege, so Lagarde.










