Es klingt nach Zerknirschung und ist doch auch der Beginn des politischen Comebacks. Mit einem Entschuldigungsbrief hat sich Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) an die Abgeordneten seiner Fraktion gewandt und allein schon mit diesen ersten Zeilen nach dem unfreiwilligen Rücktritt für ein gehöriges Aufmerken gesorgt. Es ist ein Brief, der – wohlkalkuliert – die ganze Bandbreite des politischen Talents des Münsterländers unvermittelt wieder aufscheinen lässt.
Spahn macht keine Ausflüchte: „Vor allem aber habe ich durch den Widerspruch zwischen meiner früher öffentlich vertretenen Haltung und meiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht. Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“ Spahn weiß, dass eine Rückkehr auf die politische Bühne nach dem Skandal um seine widersprüchliche Haltung beim Thema Leihmutterschaft nur möglich ist, wenn er sich von ganz unten wieder hocharbeitet. Besonders wichtig: Die Tonlage der tiefen Zerknirschung darf nicht gespielt oder zweckdienlich klingen. Botschaft: Alle Vorwürfe treffen zu. Ich beanspruche keine mildernden Umstände.
„Ich habe es versäumt, diesen Abwägungsprozess rechtzeitig offenzulegen und meine veränderte Position zu erklären. Dafür gab es genügend Gelegenheiten. Ich habe sie nicht genutzt. Zu Recht ist deshalb die Frage gestellt worden, warum ich diese private Entscheidung getroffen habe, ohne zuvor den Widerspruch zu meiner vor vielen Jahren öffentlich vertretenen Haltung aufzulösen. Diese Frage stelle ich mir selbst seit Wochen. Die Antwort darauf ist für mich unangenehm, aber sie gehört zur Ehrlichkeit dazu: Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen.
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