Ihr Spiegel-Interview hat diese Woche für Aufregung gesorgt: Sie ist Deutschlands Feminismus-Ikone und war schon streitbar, als es noch nicht „umstritten“ hieß. Mit 83 Jahren ist Alice Schwarzer ohnehin nicht mehr darauf angewiesen, irgendwem nach dem Mund zu reden. Nach mehr als 40 veröffentlichten Büchern und rund 400 Ausgaben ihrer Zeitschrift Emma ist klar: Man muss sie nicht mögen, aber respektieren. Wer sich so verdient ums Land gemacht hat, hat jedes Recht auf seine eigene Meinung. Und freie Meinungsäußerung ist in Deutschland ja immer mehr das, was man sich erarbeiten oder mit viel Geld abpuffern muss.
Vielleicht deshalb haut Schwarzer immer öfter Statements raus, die viele zusammenzucken lassen. Kommt ihr Feminismus traditionell aus dem linken Lager, sind es jetzt vor allem die Linken (kleine Erinnerung: Pazifismus war mal links), die Wutschaum vorm Mund haben, wenn sie gegen Transideologie wettert, mit Sahra Wagenknecht für Friedensverhandlungen plädiert – oder wenn sie, wie diese Woche im eineinhalbstündigen Spiegel-Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen, das Unsagbare ausspricht.
Alice Sophie Schwarzer wurde in den 70er Jahren eine Ikone der Frauenbewegung. Sie verglich die Versorger-Ehe mit Prostitution, kämpfte gegen Pornografie und für das Recht auf Abtreibung. 1977 gründete sie das feministische Magazin Emma, dessen Herausgeberin sie seither ist. Sie lebt in Köln und manchmal in Paris, spricht fließend Französisch und hat eine eigene Wachsfigur bei Madame Tussauds in Berlin. Und ja, da war diese Steueraffäre 2014.
Schwarzer im Jahr 1985
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