Zur Beglaubigung taugen keine Worte, sondern nur die Tat

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Zur Beglaubigung taugen keine Worte, sondern nur die Tat
Bildquelle: Tichys Einblick

Unter den Texten, die in dieser Reihe vorgestellt werden, dürfte die Rede, mit der sich Sokrates gegen den Vorwurf der Gottlosigkeit verteidigen musste, nicht nur der älteste, sondern auch der kürzeste sein. In der von John Burnet besorgten Ausgabe der Oxford Classical Library umfasst sie keine dreißig Seiten.

Dennoch lässt sich der Anspruch, der sich mit dem Wort Klassiker verbindet, gut begründen. Es ist ja kein Zufall, dass der Prozess gegen Sokrates immer wieder mit dem Justizskandal verglichen wurde, in dessen Verlauf Jesus von Nazareth fünfhundert Jahre später zum Tode verurteilt wurde. Und Zufall war es eben auch nicht, dass ein paar Zeitgenossen das Unerhörte der Vorgänge, deren Augen- und Ohrenzeugen sie geworden waren, verstanden und der Nachwelt überliefert haben. Für Jesus taten das die Evangelisten und die Apostel, für Sokrates waren es seine Schüler, neben Xenophon vor allem Platon.

Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Gestalten und den von ihnen verkündeten Lehr- und Glaubenssätzen sind so oft beschrieben worden, dass eine knappe Erinnerung an dieser Stelle genügen sollte. Beide Male stand ein Mann vor Gericht, der es gewagt hatte, über Gott – oder die Götter – anders zu denken und zu reden, als seine Mitbürger das gewohnt waren. Beide Männer waren davon überzeugt, dass die Seele unsterblich sei und der Mensch gut daran tue, ihrer Gesundheit mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden als der des Körpers.

Sogar der Satz, der als der harte Kern jedweden Glaubens betrachtet werden kann, als solcher ja auch immer wieder zitiert worden ist, die Forderung nämlich, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, findet sich nicht nur in den Evangelien, sondern wörtlich auch bei Sokrates und seinem Schüler Platon. Nietzsche wusste schon, warum er das Christentum als Platonismus fürs Volk verhöhnte. Als Pfarrerssohn und Altphilologe kannte er sich in beiden Bereichen gut aus.

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