Es ist die Geschichte einer Liebe, die nicht sein soll. Wolfram Weimer versuchte stets, den Linken zu gefallen. Immer beteuerte er, er führe gar keinen Kulturkampf gegen sie. Die Linken glaubten ihm nie, finden ihn erst schrecklich, dann streckenweise ganz okay. Dann tut Weimer ihnen weh, und sie rächen sich. Nun wollen sie ihn gänzlich verstoßen und ziehen ihr schärfstes Schwert.
Schon bei der Leipziger Buchmesse buhten die Linken Kulturstaatsminister Weimer aus, der viele der dort ausstellenden Verlage eigentlich finanziert und fördert. Seinen Rundgang sagte Weimer aus Angst vor ihnen ab. Nun fordern zwei antifaschistische Lagerverbände, dass er wegen des Ausschlusses von Linksextremisten beim Buchhandlungspreis auch nicht beim Buchenwald-Gedenken teilnehmen soll. Und vergleichen ihn mit Goebbels.
Es ist die vorzeitige Eskalation einer Beziehung, die nie einfach war. Im Grunde wollte sie die eine Seite nie, das Geld des Anderen fanden sie aber immer schon ganz okay. Der Staatsminister wiederum suchte stets die Nähe zu den Künstlern und wollte nur ihr Bestes. Die wiederum verstanden das nie.
Das Verhältnis zwischen Weimer und den Linken ist eines einer unverstandenen Liebe. Als Friedrich Merz den Ex-Welt-Chefredakteur im Mai 2025 zum Kulturstaatsminister ernannte, explodierten die linken Feuilletonisten sofort vor Zorn. „Und das soll bürgerlich sein?“, fragte man in der taz.
Einzelne, eigentlich deskriptive Passagen seines im Grunde antinationlistischen und opportunistischen „Konservativen Manifests“ legte die Faz ihm als „Sorge um die Fortdauer des eigenen Bluts“ aus. Er hatte früher eben etwas locker formuliert. Es folgte die erste Petition gegen ihn. Als er linke Sprachregelungen in seiner Behörde verbietet, kommt die zweite. Schon damals sprach sie von „Kulturkampf“.
Es blätschert eine Weile vor sich hin. Weimer kündigt Ende Juli an, die Filmförderung zu verdoppeln. Von 125 auf 250 Millionen jährlich. „Diese Reform ist der Soundtrack zum Aufbruch“, so Weimer. Man hatte seinen Kumpel Merz im Ohr, der vor der Wahl über die Roten sagte: „Und was meinen Sie, wie flexibel und freundlich die werden, wenn wir denen die Schlüssel vorhalten für ihre Autos?“ Wollte auch Weimer die Liebe der Linken kaufen?
„Diese Reform ist der Soundtrack zum Aufbruch“, erklärte Weimer über die Erhöhung der Filmförderung.
Ende September 2025 folgt die erste richtig große Krise. Weimer spricht sich dagegen aus, dass am Jahrestag des Massakers der Hamas ein Künstler im von ihm finanzierten „Haus der Kulturen der Welt“ auftritt, der mit Landkarten ohne Israel posiert. Das ist aber nicht alles. Weimers Vorstoß erfolgte auf Berichterstattung von NIUS. Veranstalter des Ganzen: ausgerechnet der linke Komiker Jan Böhmermann.
Böhmermann sagt erst noch, es gelte, „die Korridore des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren zu weiten, anstatt sie zu verengen.“ Kurz darauf „knickt er ein“, das musste auch die Zeit feststellen. Die postkoloniale Linke tobt. Die schwarze Rapperin Nuru fragt, gerichtet an Böhmermann: „Warum kommt ihr nicht auf mich zu und sagt mir das ins Gesicht, anstatt in eurem Podcast über mich zu lachen?“. Der Ex-Journalist Malcolm Ohanwe erklärt: „I stand ten toes with my Sister Nura“. Weimer hatte ins postkoloniale, vermeintlich antirassistische Wespennest gestochen. Die taz erklärt, das wäre „provinziell“.
Weimer aber fühlte sich missverstanden. Als Kampfansage an die linksradikale Kulturszene war seine Kritik doch gar nicht gemeint. Er fasst den Plan, sich mit Böhmermann auf offener Bühne auszusprechen. Und versichert ihm dort im linken Museum: „Ich will ja eigentlich mit Ihnen gegen die rechten Brüder kämpfen.“ Böhmermann aber erwidert: „Ich habe das Gefühl, dass es Ihnen nicht primär darum geht, zusammenzuleben oder Gemeinsamkeiten zu finden.“
Weimer bot Böhmermann den „gemeinsamen Kampf gegen die rechten Brüder“ an.
Wie konnten ihm die Linken nicht glauben? In der Zeit verneint er im November die Frage, ob er ein „Kulturkämpfer“ sei. „Ja, ich bin ein Kämpfer“, so der Minister, „für die Kultur, für deren Stärkung, für die Freiheit der Künste, auch für das Geld.“ Und bemerkt noch einmal: „Ich habe für die Kultur so viel Geld im Bundeshaushalt herausgekämpft wie noch nie, neben Verteidigung der größte Zuwachs aller Etats, ziemlich bemerkenswert.“
Aber nicht nur in Fragen des Geldes stand Weimer stets zu seinen Linken. Im Gespräch mit ntv erklärt er im September im Hinblick auf die AfD, „dass wir schon auch diese Kulturkämpfe führen müssen“. Auf der Frankfurter Buchmesse wenig später im Oktober verrät er: „Ich führe gerade einen kleinen Kulturkampf gegen rechts.“ Über Thomas Mann sagt er: „Ab 1922 hat er die Brandmauer der Weimarer Republik definiert und auch deswegen ist er für uns eine gute Figur.“
„Thomas Mann hat ab 1922 die Brandmauer der Weimarer Republik definiert.“
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