Martin Luther hat im Sinne seiner Zwei-Reiche-Lehre den genialen Satz sagen können: „Die Führung des Staates muss nicht heilig sein, auch seine Regierung braucht keine christliche sein. Es genügt völlig, dass im Staat die Vernunft herrscht.“
Deutschland, wenn es sein Wohlstandsniveau halten möchte, braucht unbedingt eine vernünftige Wirtschafts-, Energie-, Steuer-, Migrations-, EU-, Infrastruktur- und Außenpolitik. Politiker sollten darum den freien Meinungsaustausch zum Finden von vernünftigen Lösungen unterstützen. Die Religion des Politikers darf den vernünftigen politischen Diskurs durchaus anregen. Aber sie darf auf keinen Fall den vernünftigen politischen Diskurs erschweren mit alternativlosen Direktiven, die sich mit klerikalem Heiligenschein aufplustern.
Kanzler Olaf Scholz (66) ist in der Kommunikation über sein Verhältnis zum christlichen Glauben äußerst zurückhaltend. Wenn man ihn fragt, warum er aus der evangelischen Kirche ausgetreten sei, dann antwortet er nur: „Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen.“ Auch sonst bleibt er unkonkret: Er gehöre zu den wenigen Deutschen, die die ganze Bibel gelesen hätten. Und dabei habe er gemerkt, wie sehr das kulturelle Leben und Denken in Deutschland davon geprägt sei. Diese allgemeinen Aussagen bleiben oberflächlich und blass, weil Scholz die Aspekte nicht näher entfaltet, die er dabei im Blick hat, falls es da etwas geben sollte.
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