Wen wir dieses Jahr verloren haben

vor mehr als 1 Jahr

Wen wir dieses Jahr verloren haben
Bildquelle: Apollo News

„Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all“ – für mich gibt es kein Lied, das ich so sehr mit Weihnachten verbinde wie dieses. Als ich klein war, musste ich es meiner Familie jedes Jahr auf der Blockflöte vorspielen, bevor ich an die leckeren Lebkuchen und Schokoladenherzen durfte, die meine Mutter liebevoll auf dem Festtisch drapiert hatte. Ich habe gespielt, meine Schwester hat gesungen – erst danach klingelte irgendwann das Glöckchen vom Weihnachtsmann (das er komischerweise jedes Jahr bei uns Zuhause vergaß). Erst dann konnte ich endlich ins Wohnzimmer kommen und meine Geschenke auspacken. Damals war ich ungefähr neun Jahre alt. So alt wie André.

Der kleine Junge mit den großen braunen Augen, den lustigen Segelohren und dem sympathischen Lächeln wird dieses Jahr an Weihnachten fehlen. Seine vier großen Geschwister werden alleine mit ihrer Mutter Désirée am Weihnachtstisch sitzen. Andrés Platz bleibt leer, seine Geschenke werden nie ausgepackt – er wird nie wieder singen, lachen, mit einem seiner drei Brüder raufen oder seine Schwester in den Arm nehmen. Denn André ist tot.

Er wurde vier Tage vor Weihnachten ermordet. Die Behörden wussten von den irren Gedanken des Taleb Al-Abdulmohsen, von seinen zahllosen Drohungen, er kündigte einen Anschlag öffentlich an. Trotzdem geschah nichts – er kam nicht in die Psychiatrie, nicht ins Gefängnis, wurde nicht abgeschoben.

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