„Was der Buckelwal Timmy mit meinen Erfahrungen im Altenheim und mit Pfingsten zu tun hat“

vor 2 Monaten

„Was der Buckelwal Timmy mit meinen Erfahrungen im Altenheim und mit Pfingsten zu tun hat“
Bildquelle: Tichys Einblick

Im Altenheim läuft mir die Pflegedienstleitung „Frau Herzenspflege“ über den Weg. Sie ist eine alleinstehende Frau, die mit Leib und Seele mit ihrem Beruf und mit ihren Bewohnern verheiratet ist. Heute ist sie sichtlich angefressen. „Was ist los?“, will ich wissen. Sie schimpft: „Die Bewohnerin X, die im Sterben liegt und bei uns dazu gut aufgehoben war, ist von ihren Angehörigen noch einmal auf die übliche Ehrenrunde ins Krankenhaus geschickt worden. Immer wieder derselbe Mist. Statt die Leute in Ruhe und vertrauter Umgebung und mit Begleitung sterben zu lassen, zwingt man sie, medizinisch noch einmal durchgenudelt zu werden.“ Wie so oft, hatte „Frau Herzenspflege“ auch dieses Mal einen feinen siebten Sinn. Die Bewohnerin X verstarb nach drei Wochen im Krankenhaus.

Fast jeder wünscht sich, in vertrauter Umgebung versterben zu können; doch fast 50 Prozent versterben in Deutschland in einem sterilen Krankenhaus. Bei einigen von ihnen ist das kontraproduktiv und nicht gerade human.

Ich erinnere mich an den ersten „Coronatoten“, den ich Mai 2020 miterleben musste. Herr K. wohnte im Altenheim und war 99 Jahre alt, todkrank, bettlägerig, palliativ begleitet. Man erwartete seinen Tod in den nächsten 8 Tagen. Dummerweise testete man ihn Corona-positiv, obwohl er neben einer gewöhnlichen Erkältung keine weiteren Corona-Symptome hatte. Und dann ging die Maschinerie los. Es holten ihn Pfleger ab, die in Plastik eingehüllt wie Astronauten aussahen. Sie brachten ihn zur speziellen Quarantänestation des Trägers, die vom Staat pro Person jeden Tag mit reichlich Geld finanziert wurde. Herr K. schrie laut: „Lasst mich in Ruhe. Lasst mich sterben.“

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel