Die Vereinigten Staaten der Peinlichkeit

vor 5 Monaten

Die Vereinigten Staaten der Peinlichkeit
Bildquelle: Tichys Einblick

Es gibt Momente, in denen man als Europäerin mit einer gewissen Grundsympathie für die amerikanische Kultur an seine Grenzen stößt. Der Super Bowl 2026 war so ein Moment. Nicht wegen des Spiels – das war, soweit ich das beurteilen kann, Football, und Football ist für Italiener ungefähr so verständlich wie Cricket, nur mit mehr Werbepausen. Nein, es war die Halbzeit, die mich an den Rand der Verzweiflung trieb. Und zwar auf beiden Kanälen.

Denn Amerika hatte in diesem Jahr die Wahl. Option A: Die offizielle NFL-Show, eine Moralpredigt in Stadiongröße, finanziert von Milliardären, die dem Publikum erklären wollten, dass es moralisch unzureichend ist – während sie ihm gezuckerte Limonade verkauften. Option B: Eine „patriotische Gegenveranstaltung“ von Turning Point USA, die die Produktionsqualität eines Offenen Kanals aus den Neunzigerjahren hatte und bewies, dass Vaterlandsliebe allein kein Ersatz für funktionierende Tontechnik ist.

Ich schaltete zwischen beiden hin und her, in der Hoffnung, irgendwo Entertainment zu finden. Was ich fand, war Fremdscham in Stereo.

Die offizielle Halbzeitshow bestritt ein gewisser Bad Bunny, ein puerto-ricanischer Künstler, dessen Name mich an ein Plüschtier denken lässt, dessen Auftreten jedoch eher an einen Gigolo mit Sendungsbewusstsein erinnerte. In seinem kantig-modernen weißen Anzug vollführte er das, was der republikanische Abgeordnete Andy Ogles als „Schmutz“ bezeichnete – „Trockensex mit der Luft“, um das treffende Bild eines Kommentators zu borgen. So ungern ich einem amerikanischen Konservativen in ästhetischen Fragen Recht gebe: Er hatte einen Punkt.

Nun bin ich Italienerin. Wir hatten (und mochten) Berlusconi. Wir sind wirklich nicht prüde. Aber wenn jemand auf einer Bühne anzügliche Bewegungen vollführt, erwarte ich zumindest, dass er dabei nicht so tut, als würde er mir gleichzeitig eine Vorlesung über postkoloniale Theorie halten.

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