Unbehagen macht sich breit, aber Wall Street weiter im Rekordmodus

vor 9 Monaten

Unbehagen macht sich breit, aber Wall Street weiter im Rekordmodus
Bildquelle: Tichys Einblick

Angesichts der stetig steigenden Börsenkurse macht sich an den Börsen hier und da Unbehagen breit. So hielten in einer gerade veröffentlichten Umfrage der Bank of America 91 Prozent der Teilnehmer US-Aktien für überbewertet. Und der nach der Investorenlegende Warren Buffett benannte Indikator notiert bei rund 220 Prozent, was fast dem doppelten Wert entspricht, den er während der Dotcom-Blase erreicht hatte. Gleichwohl steigen die Märkte weiter. Ob Aktien, Gold oder Bitcoin, die „Everything Rally“ scheint nicht zu stoppen. Ob überhaupt und gegebenenfalls wann eine kräftige Korrektur bevorsteht, bleibt indes ungewiss – und auch, welche Segmente besonders betroffen wären.

So ist es sicher falsch, alle Aktien in den gleichen Topf zu werfen. Während Technologie- und KI-getriebene Werte von Rekord zu Rekord eilen, befinden sich andere Branchen wie die Automobil- oder die Chemieindustrie in der Stagnation. Dort braucht man sich wohl nicht vor einem Crash zu fürchten. Gleiches gilt geographisch: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des amerikanischen Leitindexes S&P 500 liegt mit rund 29 nahe dem Rekordhoch, europäische und chinesische Indizes sind mit durchschnittlich 18 beziehungsweise elf deutlich niedriger bewertet.

​Um spektakuläre mehr als 50 Prozent ist in diesem Jahr der Goldpreis gestiegen. Sollten Anleger dort jetzt den Ausstieg planen? Nein, sagen Experten. Da immer mehr Zentralbanken ihre Dollarreserven durch Gold ersetzen, könnte die Rallye dort durchaus weitergehen. In der Tat gehören die Notenbanken seit Monaten zu den größten Goldkäufern. Laut World Gold Council liegen ihre Käufe deutlich über historischen Niveaus. Auch die Nachfrage von chinesischen und indischen Investoren steige – sie liege bis zu 44 Prozent über dem Vorjahr.

Anders verhält es sich beim digitalen Gold, dem Bitcoin. Seit dem Wahlsieg von Donald Trump vor knapp einem Jahr hat sich der Bitcoin-Kurs auf 125’000 Dollar bis Anfang Oktober nahezu verdoppelt. In diesem Jahr betragen die Gewinne immerhin rund 24 Prozent. Die Volatilität bleibt jedoch ein Vielfaches jener von Aktien. Im Oktober blieb die Performance hinter dem S&P 500 zurück. Experten raten deshalb zur Vorsicht.

Trotz aller Warnungen sorgten die Tech-Giganten Amazon und Apple mit ihren Quartalsberichten und Prognosen zur weiteren Geschäftsentwicklung dafür, dass sich die Stimmung an der Wall Street am Freitag wieder etwas aufhellte. Im Handelsverlauf kehrte jedoch angesichts der dicht unter ihren Rekordhochs tendierenden Indizes die Vorsicht zurück. Die Gewinne bröckelten ab. Vor dem Wochenende gingen viele Anleger lieber auf Nummer sicher.

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