Am Mittwoch hat das britische Unterhaus den Antrag zum Beginn einer neuen, landesweiten Untersuchung zu den Grooming-Gangs im Vereinigten Königreich abgelehnt. Die Entscheidung fiel mit 346 Nein-Stimmen zu 111 Ja-Stimmen. Die Labour-Partei verfügt über 402 Sitze, die Konservativen und Reform UK zusammen über 126 Sitze. Die restlichen 120 Sitze werden vor allem von den Liberaldemokraten (72) und kleineren Parteien gefüllt.
Angesichts der öffentlichen Bekundungen der Parteiführung gab es von Beginn an keinen Zweifel, dass die regierende Labour-Partei den Antrag geschlossen niedergestimmt hat. Ja, die Parteiführung soll sogar Fraktionsausschlüsse angedroht haben, falls Abgeordnete sich dieser Linie verweigerten. Keir Starmer hatte vor wenigen Tagen gesagt, dass wer immer sich der Forderung nach einer Untersuchung der landesweit erhobenen Vorwürfe (auch gegen Politiker seiner Partei) anschließt, auf dem „Trittbrett der extremen Rechten“ mitfahre. „Und das beeinflusst die Politik, weil eine solide Debatte nur auf den wahren Tatsachen beruhen kann.“
Das war schon eine seltene Verkehrung der Tatsachen. Mit seinen heuchlerischen Worten von einer „soliden Debatte“ und „wahren Fakten“ wollte Starmer genau jene Diskussion ersticken, die nun dennoch los und weiter geht und endlich an Fahrt gewinnt. Denn Tatsachen sind nun einmal die jahrzehntelangen Missbrauchsfälle von weißen Unterschicht-Mädchen, die medial nie zufriedenstellend aufgearbeitet wurden. Und immer wieder hört man von der extremen Nähe gewisser Politiker zu den Gangs.
Es wurden also schon einige der Täter erwischt und auch verurteilt. Aber das Phänomen geht weiter. Denn jene, die immer wieder wegschauten oder die Täter aktiv deckten, etwa durch eine dezente Order an die Polizei, doch nicht allzu angestrengt zu ermitteln, blieben ungeschoren.
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