Waffenruhe mit Iran: Trumps Kurs trifft Teheran härter als Europas Moralrhetorik

vor 4 Monaten

Waffenruhe mit Iran: Trumps Kurs trifft Teheran härter als Europas Moralrhetorik
Bildquelle: Tichys Einblick

Natürlich ist das Waffenstillstandsabkommen zwischen Iran und seinen Kriegsgegnern USA und Israel kein Durchbruch zum Weltfrieden. Aber bis vor wenigen Stunden noch unkten Kommentatoren und Politiker in der westlichen Welt über die Gefahr eines neuen Weltkriegs, den drohenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft, den Willen der USA zu verheerenden Kriegsverbrechen, einem Ende des westlichen NATO-Bündnisses sowieso. Fast ein wenig enttäuscht klingt der Kommentar im „Pioneer“: Anders als „von Trump angekündigt, kam es im Iran nicht zur Apokalypse“.

Nun wird also erst mal wieder verhandelt – und schon betonen Korrespondenten und „Experten“ in den öffentlich-rechtlichen Sendern, dass Trump keineswegs einen „totalen und vollständigen Sieg“ errungen habe, wie er in Washington behauptete. Denn das Mullah-Regime werde nicht fallen, die USA sich nicht mit ihrem 15-Punkte-Plan gegen den Zehn-Punkte-Plan Irans durchsetzen, so die Argumentation.

Nein, natürlich ist jetzt erst mal alles offen, deshalb nennt man die nun anstehenden Gespräche ja auch Verhandlungen. Allerdings zwischen einem schwer angeschlagenen Regime menschenverachtender Theokraten und sehr entschlossenen amerikanisch-israelischen Alliierten.

Würden die – vor allem linken – Medien in der westlichen Welt nicht dauernd mit Schaum vor dem Mund über Trump berichten, müssten sie anerkennen, dass sich dank der angeblich „planlosen“, „erratischen“ und „völlig unberechenbaren“ Politik dieses verhassten Republikaners im Weißen Haus nun auch in Iran dramatische Änderungen erkennen lassen – wie dank Trumps Politik in manch anderen Regionen in der Welt auch.

Während seine Kritiker immer wieder das Trauma der amerikanischen Kriegs-Pleiten in Vietnam, Afghanistan und dem Irak beschwören, hat die US-Regierung vielleicht mehr die bitteren Erfahrungen im Umgang mit Nordkorea im Kopf. Jahrzehntelang hat der Westen der nuklearen Aufrüstung des grausamen Diktators in Südostasien mehr oder minder tatenlos zugeschaut, hat verhandelt, gefordert, sanktioniert und gedroht.

Heute muss nicht nur die gesamte Region die unbestreitbare Kampfkraft einer Atommacht Nordkorea fürchten – denn die Trägerraketen haben inzwischen eine Reichweite bis nach Anchorage (US-Bundesstaat Alaska) und Sydney (Australien). Das hochgerüstete Nordkorea strebt den Bau von Raketen an, die auch New York oder Paris erreichen könnten. Die Regierungen in Washington und vor allem in Jerusalem wollen es nicht so weit kommen lassen, dass den Gotteskriegern in Teheran Ähnliches wie den Kommunisten in Nordkorea gelingt.

Seit 16 Monaten ist Trump wieder Präsident der USA. Keineswegs nur seine politischen Gegner sind immer wieder entsetzt oder zumindest tief irritiert über den politischen Stil dieses großspurigen, eitlen und selbstverliebten Politikers, der erkennbar aus dem Milieu amerikanischer Milliardäre und Immobilien-Mogule stammt – mit der Besonderheit, dass dieser 79 Jahre alte Haudegen des Show-Business die Klaviatur moderner Medien und sensationsheischender Propaganda meisterhaft beherrscht.

Trumps wüste Drohungen, Iran „binnen vier Stunden“ ins „Steinzeitalter“ bomben zu wollen, auch wenn dabei für immer „eine ganze Zivilisation“ untergehe, erinnert mehr an die Karikatur eines wahnsinnig gewordenen Diktators denn an den mächtigsten Führer der freien Welt – der zudem noch erklärtermaßen das christliche, demokratische Erbe des Westens bewahren möchte.

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