Der subjektive Tagesschau-Filter der „regionalen Bedeutung“

vor 3 Monaten

Der subjektive Tagesschau-Filter der „regionalen Bedeutung“
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Tagesschau entscheide bei Kriminalfällen nach Relevanz, Tragweite und überregionaler Bedeutung. So lautet jedenfalls die Begründung, wenn bestimmte Fälle wieder einmal nicht berichtet werden. Diese Formel klingt nüchtern, professionell, sauber abgewogen. In Wahrheit ist sie längst selbst zum Prüfstein für das Flaggschiff der Öffentlich-Rechtlichen – und für deren Glaubwürdigkeit – geworden.

Denn die Frage lautet nicht, ob jeder Kriminalfall aus jeder Stadt in die Hauptnachrichten gehört. Die Frage lautet, wann ein Fall für die Tagesschau plötzlich gesellschaftliche Bedeutung bekommt, wann er auf den Lokalteil schrumpft – und wann er wieder einmal unter den Tisch fällt. Genau an dieser Stelle beginnt der subjektive Filter, den Tagesschau, ebenso wie Öffentlich-Rechtliche seit Jahren mit sich herumschleppen.

Seit dem Mordfall Maria Ladenburger wird die Tagesschau an diesem Maßstab gemessen. Damals erklärte sie ihre tagelange Zurückhaltung mit einer angeblichen fehlenden überregionalen Bedeutung und damit, dass einzelne Kriminalfälle nur in Ausnahmefällen berichtet würden. Seither achten Zuschauer sehr genau darauf, wann diese Ausnahme gilt und wann sie ausgerechnet dort verschwindet, wo Tat, Täterprofil und politisches Versagen unangenehm zusammenfallen.

Dabei fällt die Tagesschau nicht an einem einzelnen Fall durch, sondern an der Wiederholung. Wenn eine Tat in das bekannte Raster von rechter Gefahr, Islamfeindlichkeit oder Diskriminierung passt, wird sie schnell zum Signal für das ganze Land. Wenn ein Opfer deutscher Staatsbürger ist und der Tatverdächtige aus dem Milieu gescheiterter Asylpolitik kommt, wird aus gesellschaftlicher Relevanz auffallend oft regionale Bedeutung.

Die Formel von der „regionalen Bedeutung“ ist kein neutraler Maßstab, sondern ein Machtinstrument der Auswahl. Alexander Teske war von 2018 bis Ende 2023 Planungsredakteur bei der Tagesschau. Er beschreibt eine Redaktion, in der die entscheidende Schleuse bei den Chefs vom Dienst liegt. Dort wird nicht nur sortiert, dort wird politische Wirklichkeit gewichtet. Was aus der Republik in Hamburg groß wird, entscheidet sich nicht erst im Sprechertext, sondern in der Konferenz davor.

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