Wer den Begriff „Unterwanderung“ für die Aktivitäten des politischen Islams nutzte, wurde jahrelang wie ein Verschwörungstheoretiker behandelt. Doch allein die Beispiele, die in Sascha Adameks neuem Buch „Unterwanderung“ auf 304 Seiten akribisch recherchiert und aufgelistet sind, lassen befürchten, dass der politische Islam bereits sehr viel weiter auf seinem Vormarsch vorgedrungen ist, als man das wahrhaben möchte.
„Seit 2015 versuchen Politiker von Grünen, SPD und Linken, ihrer eigenen Bevölkerung auszureden, dass es überhaupt ein Problem gibt“, schreibt Adamek schon in der Einleitung. Und er trifft damit einen Nerv. Denn die Vorgänge, die er beschreibt, sind nur ein Teil der Probleme, die an vielen Orten und durch vielfältiges Versagen der Behörden sichtbar werden. Adamek beschäftigt sich seit etlichen Jahren als Journalist, unter anderem beim rbb, mit dem Thema Islamismus. Er ist also kein Neuling, was die Recherche auf politisch vermintem Terrain betrifft. Denn die Gegenwehr kommt beim politischen Islam nicht nur von denjenigen, die ihre Aktivitäten tarnen, sondern auch von einigen Politikern, für die es bequemer ist, die Augen zu verschließen. Intransparenz ist der zweite Name der Unterwanderung. Die Liste derer, die islamistische Unterwanderung weiterhin als Verschwörungstheorie behandelt sehen wollen, ist nicht kurz. Und so treffen viele von Adameks Anfragen auf Schweigen.
Bestens vernetzt in die Berliner Politik und immer wieder gern gesehen: Ferid Heider von der Neuköllner Begegnungsstätte.
Im Buch geht es um aktive Förderer in der Politik, die die Unterwanderung nicht wahrnehmen wollen, weil sie stattdessen Vielfalt sehen oder darstellen möchten. Sie erkennen hinter modernen Teilhabe-Ansprüchen nicht den ganz und gar altertümlichen Drang des politischen Islams, alles zu beherrschen. Das geht bis hin zu Journalisten, die Unterwanderung rundweg in Abrede stellen. Viele der Beispiele sind in Berlin recherchiert, wo eine ernsthafte Unterwanderung konstatiert werden kann. Wer das Thema Islamismus dort ernst nimmt und kritisch betrachtet, kann an den Bildern von Politikern wie Michael Müller, Franziska Giffey und Sawsan Chebli (alle SPD) oder Bettina Jarasch (Grüne) mit Islamisten nichts Schönes mehr finden, sondern ist irritiert.
Adamek lässt in seinem Buch wichtige Ideologen zu Wort kommen. Sunnitische und schiitische Vordenker waren und sind sich einig: Europa ist ein Gebiet, das – wenn es nicht schon zum Islam gehört – eine Zone ist, die es zu erobern gilt. Dabei ist das Schwert als Werkzeug nicht verschwunden, aber es ist in Europa nur eines von vielen Mitteln. Der moderne Islamist kommt im Anzug und mit Anwalt, er veranstaltet Dialogforen und gründet Vereine. Auch diese sind ein Werkzeug, mit dem man das Füllhorn öffentlicher Gelder für eigene Strukturen und die eigene Agenda anzapfen kann. Die Gegengesellschaft finanziert sich auch aus dem Steuertopf. Adamek beschreibt, wie in Berlin eine islamistische Kita gebaut wird, die in den Genuss von 4,2 Millionen Euro Fördergeldern kommen soll. Obwohl man es hätte wissen können, machte sich niemand die Mühe, nachzuschauen, auf welcher ideologischen Basis der Kindergarten betrieben werden soll. Der Vordenker dieser Strömung hält etwa das Kinderkopftuch für sinnvoll und vertritt auch die Ansicht, dass Sex mit Mädchen unter neun Jahren erlaubt sein soll. Weil die Formalitäten erfüllt sind, soll also eine Kita mit öffentlichen Mitteln entstehen, in der manche kleine Mädchen als potenzielle Sexsklavinnen gesehen werden.
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