Kritiker des Sozialstaates warnen genau davor: vor einem System, das sich am Ende auf Kosten der Menschen selbst erhält. Manche Vorschläge der Rentenkommission laufen jetzt genau darauf hinaus.
Im journalistischen Mainstream herrscht derweil Jubelstimmung: Hurra, die Regierung hat eine Reform hinbekommen! Viele Kollegen überschlagen sich allein deshalb schon vor Begeisterung – und vermeiden einen kritischeren Blick auf die Sache selbst. Ja, die Regierung hat eine Reform hinbekommen, toll – aber das allein ist kein Wert. Der Wert liegt in der Sache. Und die Sache ist deutlich weniger glamourös, als manch ein medialer Jubelperser es erscheinen lässt.
Alle, fast alle, werden in Zukunft geschröpft werden – das ist die Botschaft der 33 Punkte, die die Kommission am Dienstag präsentiert hat. Bis auf die „Bestandsrentner“ – diejenigen, die heute vom System profitieren – werden alle ihren Beitrag leisten. Allein darin darf man schon eine zentrale Ungerechtigkeit erkennen:
Ausgerechnet die Rentnergeneration, die mit ihrer Kinderlosigkeit auch noch einen kollektiv erheblichen Anteil an der Schieflage der Kassen hat, kriegt von den Einschnitten im Rentensystem, die jetzt kommen sollen, nichts mit. Die Rechnung zahlen die Zukunftsrentner – diejenigen, die jetzt arbeiten und es auch noch für einige Jahre tun werden.
Für alle Gegenwartsrentner haben Union und SPD im vergangenen Jahr nochmal einen Geldsegen beschert – mit zusätzlicher Rentenerhöhung und teurer Festsetzung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031. Das kann man den davon profitierenden Menschen durchaus gönnen – man muss aber anerkennen, dass diese Gönnermentalität dann auf Kosten aller anderen finanziert wird.
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