Donald Trumps „MEGA – Make America Great Again“ ist schwer einzudeutschen. Großdeutschland will keiner mehr. „Deutschland zuerst“ holpert über die Zunge, und bei „Alles für Deutschland“ hockt der Staatsanwalt hinter dem Internet-Gebüsch und späht. Die deutsche Rechtsprechung behandelt „Alles für Deutschland“ als historische Losung der SA (Sturmabteilung der NSDAP) und damit grundsätzlich als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation im Sinne von § 86a StGB. Da merken Sie schon, wir sind im freiesten Deutschland aller Zeiten und im Sumpf seiner ganz speziellen Meinungsfreiheit, die uns bis zur Oberkante Unterlippe steht. Noch ein Wort, und du bist drin im Strafverfahren. Der Kontext und die Gnade eines Richters entscheiden; unser Spendenkonto für Rechtsstreitigkeiten dieser Art finden Sie unten.
Wenn es schon nicht mehr mit Worten klappt, vielleicht mit Zahlen? Wie drückt sich die „Liebe zu Deutschland“ aus? (Hinweis: Bisher nicht strafbar, kann aber bald kommen.)
Zu Deutschland und den Deutschen in Zahlen gar nicht. Unser Autor Helmut Berschin hat ausgezählt, dass die Begriffe „Deutschland“ und „Deutsche“ in den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien nur noch eine marginale Rolle spielen. Die Analyse zeigt, dass die Parteiprogramme 141.000 Wörter zählen. Der Umfang reicht an das Neue Testament mit 180.000 Wörtern heran. Trotz des gewaltigen Umfangs kommt das Sprachfeld „Deutschland oder die Deutschen“ nur sechsmal vor. Bei SPD und LINKE überhaupt nicht, sie gestalten Politik ohne Volk und Land. Aber für wen denn dann? Diese Frage stellt sich auch bei CDU/CSU und Grünen, mit immerhin je einmal Deutschland. Immerhin viermal kommen Deutschland und die Deutschen bei der AfD vor. Häufig ist anders.
Das ist keine Wortklauberei. Die Deutschen als Wahl- und Staatsvolk gibt es also praktisch nicht mehr. Auch der Bundespräsident spricht bei seinen Neujahrsansprachen lieber von „Mitbürgern und Mitbürgerinnen“, was ihn zumindest vor den Nachstellungen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz schützt. Für die Verfassungsschützer sind „die Deutschen“ ein sprachlicher Verdachtsfall. Denn er weist angeblich auf ein „ethnisch-abstammungsmäßiges Volksverständnis“ hin, „das ganze Bevölkerungsgruppen in Deutschland abwertet“ und typisch sei für eine „migranten- und muslimfeindliche Haltung“. Vorsicht also! Wenn Sie Deutschland oder Deutsche sagen und damit dann noch irgendetwas positives verbinden – es wäre Rassismus pur. Erlaubt sind allerdings ausdrücklich Formulierungen wie „deutsche Schuld“. Die gibt es, und nicht zu knapp. Diese Nicht-Benennung des Staatsvolkes ist ziemlich einmalig. Trump spricht von den Amerikanern, Macron von den Franzosen, Meloni von Italienern. Da kennt man sich aus. Nur Deutschland und die Deutschen sind seiner politischen Elite peinlich. An die Stelle des Volkes tritt ein rätselhaftes wie unbestimmt-dumpfes „Wir“.
Nun folgen ja auf Wörter Taten, wie uns drohend entgegengehalten wird, damit wir ja nicht neuerdings verbotene Begriffe wie „Volk“ verwenden, sondern nur noch die erlaubten. Erst kommen Wörter, dann gerinnt die Politik in Zahlen.
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