Polen: Gericht hebt Quellenschutz für Journalist Rachoń auf

vor etwa 2 Monaten

Polen: Gericht hebt Quellenschutz für Journalist Rachoń auf
Bildquelle: Tichys Einblick

Ein Warschauer Gericht hat entschieden, den journalistischen Quellenschutz für Michał Rachoń aufzuheben, einen führenden Redakteur und Moderator des konservativen unabhängigen Nachrichtensenders TV Republika. Rachoń soll seine Quellen offenlegen, von denen Material aus illegalen Aufzeichnungen politischer Gespräche stammt. Betroffen sind Gespräche zwischen Donald Tusk, dem polnischen Premierminister und Chef einer Mitte-links-Koalition, sowie Roman Giertych, Abgeordnetem aus Tusks Partei und Anwalt der Familie Tusk.

Die Entscheidung betrifft auch aufgezeichnete Gespräche Giertychs mit Jarosław Kurski, dem stellvertretenden Chefredakteur der Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Auszüge daraus hatte TV Republika ausgestrahlt. Nach Angaben des Senders bezog sich keiner der veröffentlichten Ausschnitte auf rechtliche Angelegenheiten zwischen einem Anwalt und seinen Mandanten. Dennoch steht nun nicht die politische Brisanz der Gespräche im Mittelpunkt, sondern der Journalist, der sie veröffentlichte.

Rachońs Anwalt Artur Wdowczyk bezeichnete die Gerichtsentscheidung gegenüber dem Portal Niezależna als „äußerst fehlerhaft“. Sie sei nicht endgültig, man werde sie anfechten. Rachoń selbst veröffentlichte auf X ein Video und machte klar, dass er der Entscheidung nicht folgen werde. Seine Antwort an die Staatsanwälte sei einfach: „Sie werden von mir nichts erfahren, weil ich durch die journalistische Verschwiegenheit geschützt bin.“ Zuvor sagte er: „Ich werde meine Quellen nicht verraten, selbst wenn diese Krypto-Diktatur [Tusk-Regierung – Anm. d. Red.] mich vom journalistischen Privileg entbindet.“

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