Die von „Weimarer Verhältnissen“ reden, sorgen selbst dafür

vor etwa 21 Stunden

Die von „Weimarer Verhältnissen“ reden, sorgen selbst dafür
Bildquelle: NiUS

Nie, seitdem ich denken kann, wurde so viel von „Demokratie“ gesprochen. Ununterbrochen, jeden Tag geht es um die Demokratie, mahnend, warnend, pessimistisch, optimistisch, hysterisch, leidenschaftlich, wütend, verbohrt, kopfschüttelnd, flüsternd, schreiend.

„Die Demokratie schützen“ – „unsere Demokratie schützen“ – „die Demokratie retten“ – „die Demokratie verteidigen“ – „den Angriff auf die Demokratie abwehren“ – „die Feinde der Demokratie stellen“ – „Demokraten müssen zusammenhalten“ – „die demokratischen Parteien müssen sich zusammenschließen.“ So geht es tagaus, tagein. Reden und Ansprachen beginnen einsilbig mit: „Wir als Demokraten …“ oder „Als Demokraten sollten wir …“ oder „Als Demokraten können wir nicht …“ oder „Alle Demokraten sind jetzt gefragt, meine Damen und Herren …“ usw.

Anschließend an die Beschwörung der Demokratie oder der Gefahr für die Demokratie oder des nahenden Endes der Demokratie folgt der historische Vergleich: Es sei jetzt ganz ähnlich oder ganz genauso wie 1933. Wir bekämen „Weimarer Verhältnisse“ oder hätten sie schon. Die Machtergreifung stehe kurz bevor. Geschichte würde sich wiederholen, die Geschichte dürfe sich aber nicht wiederholen – wie man verhindern könne, dass sich die Geschichte wiederholt und wir kein neues „33“ erleben, wie man den Anfängen wehren müsse, warum der Widerstand damals zu zaghaft war, warum der Widerstand heute rechtzeitig kommen und wirksam sein müsse usw.

Auch „Es ist 5 vor 1933“ ist eine gern genommene Parole im einschlägigen Milieu.

Selten oder gar nicht wird erklärt oder danach gefragt, warum und ob die Demokratie in Gefahr sei, wer sie beseitigen wolle und ob der Vergleich mit 1933 sinnvoll und angemessen ist. Das alles wird als gegeben vorausgesetzt: Die Demokratie sei in akuter Überlebensgefahr, weil sie von der AfD, die immer stärker werde, angegriffen und abgeschafft werden solle. Die AfD sei mit der NSDAP vergleichbar und deshalb eine ebenso große Gefahr wie die Hitler-Truppe vor 100 Jahren.

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