Lange nannte Bild die Alternative für Deutschland (AfD) nur „Rechtsaußen-Partei“, die Berichterstattung über sie fiel fast durchgehend negativ aus. Unter dem Eindruck stark steigender Umfragewerte für die Partei, einer Wirtschaft in Turbulenzen und der offensichtlich kontraproduktiven Wirkung der „Brandmauer“ scheint sich das zu ändern.
Der Ton in Deutschlands größter täglich erscheinender überregionaler Tageszeitung ist neuerdings ein anderer. Über Jahre gab das Blatt der oppositionellen AfD keine Möglichkeit, ihre Politik zu erklären. Vielmehr tauchte die Partei im Zusammenhang mit echten oder vermeintlichen Skandalen, etwa der „Vogelschiss“-Bemerkung von Alexander Gauland, auf. Der Fokus lag auf innerparteilichen Machtkämpfen und einer wahrgenommenen Radikalisierung.
Wie in anderen Medien, die der AfD möglichst „keine Bühne bieten“ wollen, sprach man mehr über sie als mit ihr. Oft wurde sie als „in Teilen rechtsextrem“ bezeichnet, die von den anderen Parteien errichtete Brandmauer als legitime Abgrenzung zum Extremismus dargestellt. Gleichzeitig hatte Bild immer das Problem, die Abgrenzung mit der eigenen Kritik – nicht selten mit ähnlichen Argumenten – an den häufig gleichen Missständen unter einen Hut zu bringen, weshalb vor allem Bild-Feinde, die selbst die Zeitung nicht lesen, behaupteten, Bild sei „AfD-nah“.
Seit immer offensichtlicher wird, dass die Probleme des Landes, die auch die AfD immer wieder mit deutlichen Worten benennt, auch von der neuen Regierung nicht angepackt werden, beginnt man vorsichtig dem Umstand Rechnung zu tragen, dass immer weniger Bürger – darunter gewiss nicht wenige Bild-Leser – die Dämonisierung der „Ganz-rechtsaußen-Partei“ nicht mehr abschreckt. Vor etwa einem halben Jahr, im November 2025, schrieb Chefredakteurin Marion Horn in der Bild am Sonntag (BamS) auf, was alles im Argen liegt, und dass Union und SPD dafür die Verantwortung tragen. Sie stellte fest: „Die AfD hat also recht, dass sie die Regierung mit diesen Fakten piesackt.“ Die sogenannte „Brandmauer“ mache es der AfD leicht, „ihre begrenzte Politikfähigkeit zu verbergen“. Der Kommentar trug die Überschrift: „Statt Brandmauer: Streit in die AfD hineintragen.“
„Ganz-rechtsaußen-Partei“ – so wurde die AfD schon genannt.
Damit sprach sich Horn natürlich nicht für die AfD aus, attestierte ihr aber immerhin, die wahren Probleme in Deutschland anzusprechen. Und sie stellte erstmals die „Brandmauer“ infrage, hinter der sich die Verantwortlichen bequem einrichten, um ihren Unwillen oder ihre Unfähigkeit zu kaschieren, die nötigen Reformen anzugehen. Selbst das lange tabuisierte Wort von der „Minderheitsregierung“ (die de facto Stimmen auch von der AfD annehmen müsste) fiel im Kommentar.
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