Die Kurzfassung des ökonomischen Aufstiegs Chinas in den zurückliegenden Jahrzehnten lautet in etwa so: Die Kommunistische Partei hält sämtliche Hebel der Macht in den Händen, flankiert von einflussreichen Oligarchenfamilien im Hintergrund. Der Verzicht auf demokratische Partizipation der Bürger wird durch einen marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen kompensiert. Aus der Kombination einer vermeintlich effizienten Tyrannis und der Entfesselung der produktiven Kräfte des Marktes kristallisierte sich in der Folgezeit das chinesische Wirtschaftswunder heraus – der Aufstieg Pekings zur zweiten Supermacht der Welt.
Doch stimmt diese Erzählung tatsächlich? Folgt man einer aktuellen Bewertung der chinesischen Ökonomie durch die OECD, käme man wohl zu dem Schluss, es handele sich hierbei um ein modernes Märchen.
In einer vergleichenden Analyse der Staatsbeihilfen unter OECD-Staaten im Zeitraum von 2005 bis 2024 ergab sich ein ziemlich drastischer Kontrast zwischen China und der restlichen Konkurrenz. Je nach Wirtschaftssektor errechneten die OECD-Ökonomen, dass die chinesischen Staatsbeihilfen die Subventionen anderer Staaten wenigstens um den Faktor 3, in manchen Fällen sogar um den Faktor 8 überragten. Zu den intensiv geförderten Schlüsselsektoren zählten neben der Photovoltaik die Stahl- und Aluminiumbranche, vor allem der Schiffbau und die geopolitisch immer wichtigere Halbleiterindustrie. Im Falle der Photovoltaik antizipierte Peking präzise den künstlichen Markt, den die EU chinesischen Herstellern mit Fördermitteln eröffnen würde.
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