Nach Terroranschlag: Komplexe Reparaturen nötig

vor 7 Monaten

Nach Terroranschlag: Komplexe Reparaturen nötig
Bildquelle: Tichys Einblick

Am frühen Morgen des 3. Januar 2026 wurde ein gezielter Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal verübt, die das Heizkraftwerk (HKW) Lichterfelde mit dem Verteilernetz verbindet. Nach ersten Erkenntnissen des LKA wurden chemische Brandbeschleuniger verwendet, um die unter der Brücke geführten Leitungen zu zerstören.

Die Terroristen haben also nicht einfach Benzin genommen, sondern ein Gemisch eingesetzt, das extrem hohe Temperaturen erzeugt – ähnlich wie Thermit oder spezielle Industrie-Brandbeschleuniger –, um die dicken Metallmäntel der Hochspannungskabel zu zerstören. Auch der Ort wurde gut gewählt: Sie platzierten die Brandherde direkt unter den Dehnungsbögen der Kabel auf der Brücke – eine Stelle, an der die Kabel am verwundbarsten sind.

Fünf Hochspannungskabel wurden durch die extreme Hitzeeinwirkung irreparabel beschädigt. Diese Kabel sind das Rückgrat der Versorgung für circa 45 000 Haushalte und 2 200 Betriebe in Steglitz-Zehlendorf, Lichterfelde und Wannsee. Da auch Steuerleitungen und Reservekabel auf derselben Brücke verliefen, fielen die üblichen automatischen Redundanzsysteme (Umschaltung auf Ersatzwege) teilweise aus. Zweifellos hatten die Angreifer genaues Wissen über das Stromnetz Berlins.

Das HKW Lichterfelde mit 300 Megawatt elektrischer und 900 Megawatt thermischer Leistung geriet durch den plötzlichen Leitungsbruch in eine gefährliche Situation. Der Strom fand gewissermaßen „physisch“ keinen Weg mehr aus dem Kraftwerk, drinnen rotierten Turbine und Generator aber weiter und erzeugten weiterhin hohe Energiemengen. Die Turbine drohte, unkontrolliert hochzudrehen – es fehlte plötzlich der Abnehmer dieser gewaltigen Leistung. Es drohten Schäden am Kraftwerk oder gar Explosionen.

Innerhalb von Millisekunden muss das System in einer solchen Situation einen „Schnellschluss“ auslösen und den Generator vom Netz trennen. Die Turbinenregelung nimmt Leistung weg und schaltet die Turbine ab, weil sie ihre elektrische Leistung nicht mehr ins Netz drücken kann. Die Feuerung wird abgeregelt, und je nach Anlage wird Dampf über Bypass-Stationen am Turbinenteil vorbeigeführt bzw. in den Kondensator geleitet, damit der Kesseldruck nicht hochläuft. Der Kessel steht zunächst noch unter vollem Druck; sollte dieser dennoch steigen, öffnen Sicherheitsventile und blasen Dampf ab, um eine Kesselexplosion zu verhindern.

Die tonnenschwere Turbinenwelle wurde durch den abrupten Stopp einer massiven Torsionsbelastung ausgesetzt. Um bleibende Verformungen durch ungleichmäßige Abkühlung zu verhindern, muss die Welle weiterhin über eine Notstrom-Drehvorrichtung in Bewegung gehalten werden.

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