Haben „wir“ es „geschafft“? Oder hat die Massenmigration unser Land für immer verändert, und zwar nicht zum Guten? Mehrere Dokus im Ersten und Zweiten geben vor, die Realität 10 Jahre nach dem fatalen Merkel-Satz zu prüfen. NIUS hat sie für Sie gesehen. Spoiler: Ja, es war schlimm. Sehr sogar.
10 Jahre ist es her, da sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bezug auf die Asylkrise: „Wir habe so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“ Die Medien, allen voran der öffentlich-rechtliche Rundfunk, waren begeistert und unterstützten die ausgerufene „Willkommenskultur“ nach Kräften. Bilder von ankommenden Familien fluteten den Bildschirm, dabei waren es hauptsächlich junge Männer, die ins Land eindrangen.
Die Lokalzeitungen wussten erstaunlich häufig von Flüchtlingen zu berichten, die prall gefüllte Geldbörsen fanden und edelmütig bei der nächsten Polizeidienststelle abgaben. Wie würden die Medien also heute, wo die Probleme überall sichtbar sind, Merkels fatalen Satz einordnen? Würden sie, die damals mitgemacht haben, sich endlich ehrlich machen? Oder weiter an der krassen Realität im Land vorbeisenden? NIUS hat sich trotz gesundheitlicher Bedenken die Dokus im Ersten und Zweiten angesehen. Lesen Sie hier, wie man dort um die drängenden Fragen herumlaviert, welche Beispiele bemüht werden, wer gezeigt wird und wer nicht. Und was nicht.
Wir beginnen mit Ingo Zamperoni. „Merkels Erbe – 10 Jahre ‚Wir schaffen das!‘“, heißt der Film, ein Zwitter aus Doku und Reportage, wenig originell. Der tagesthemen-Mann, der 2016 nach dem Weihnachtsmarkt-Terroranschlag in Berlin nicht von einem Anschlag sprechen wollte? Ja, genau der. Zunächst zieht der Zirkus Zamperoni in Margot Honeckers altes Büro Unter den Linden 71, wo Angela Merkel residiert. Die zeigt sich wie gewohnt uneinsichtig, betont, dass wir vor einer „großen Aufgabe“ standen, „da standen die Menschen an der Grenze …“, und die hätten nicht abgewiesen werden können, schon gar nicht mit Gerwalt.
Zamperoni könnte sie darauf ansprechen, dass sie danach noch sechs Jahre weiterregierte, ohne die immer wieder bemühte „Ausnahmesituation, ohne dass sich an der Migrationspolitik etwas geändert hätte, Grenzkontrollen wieder eingeführt worden wären. Ist Deutschland überfordert? Merkel: „Das glaube ich nicht.“ Und auf ihren Satz angesprochen: „Ich habe ja nicht gesagt, ich schaffe das, sondern wir schaffen das – weil ich auch auf die Menschen im Land gehofft habe.“ Die aber haben zuweilen nicht so mitgezogen, wie Merkel sich das wünschte, haben Probleme heraufziehen sehen, die sich grausam bestätigten. Probleme, die in den ARD- und ZDF-Dokus stets „Herausforderungen“ oder „Aufgaben“ genannt werden.
Merkel: „Ich habe ja nicht gesagt, ich schaffe das.“
Merkel an ihre Verantwortung für diese Probleme zu erinnern, kommt einem Zamperoni nicht in den Sinn. Schon gar nicht die Frage, ob sie etwa den Hinterbliebenen von Messerattacken „Geflüchteter“ heute in die Augen sehen könnte. Ein Heimspiel für Merkel, abgehakt. Der ARD-Mann zieht weiter, nach Passau, an die deutsch-österreichische Grenze, wo er mit Grenzpolizisten über 2015 und heute spricht („Das ist doch die eigentliche Idee von Europa: offene Grenzen!“). In Schwäbisch Gmünd trifft er den engagierten Bürgermeister Richard Arnold, später sitzt er mit dem syrischen Pfleger Mohammed zum Grillen in dessen Kleingarten: „Mehr Integration in Deutschland geht ja gar nicht, oder?“
Fast die Hälfte des Films ist schon herum, jetzt muss aber doch mal was Unangenehmes angesprochen werden: „Zur Realität gehört auch: Immer wieder haben bestimmte Vorfälle und Ereignisse (!) dazu geführt, dass viele hierzulande ihre Befürchtungen bestätigt sahen.“ Mit den Vorfällen und Ereignissen meint Zamperoni Terroranschläge, Morde, Vergewaltigungen. Mit der Soziologin Gina Wollinger spricht er in Köln über die massenhaften sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015 („Großteil der Täter: junge Männer aus dem nordafrikanischen Raum“). Von Enge auf dem Bahnhofsvorplatz ist die Rede, es war voll, alkoholisierte Menschen, Treppensituation, „Arena-Effekt“. Alles klar, danke!Nun geht es nach Solingen, wo Zamperoni sich mit einem Lokaljournalisten über den Terroranschlag beim „Festival der Vielfalt“ unterhält. Nachdem eine bekopftuchte Frau die Spaltung infolge des Messerattentats beklagt und behauptet hat, selbst rassistisch angegangen worden zu sein, stellt Zamperoni eine brisante Frage: „Begehen Geflüchtete mehr Gewalttaten als Deutsche?“ Und ist der Papst katholisch? Macht der Bär in den Wald? Die Polizeiliche Kriminalstatistik, erfahren wir, zeige in der Tat eine „Auffälligkeit“. Der Zuwandereranteil bei Gewalttaten liegt bei 12,5 Prozent, bei einem Anteil von 4 Prozent an der Gesamtbevölkerung.
Das muss jetzt schnell eingeordnet werden. Migranten werden häufiger angezeigt als Deutsche, wird ohne Beleg behauptet – als würden Gewaltopfer auf eine Anzeige verzichten, wenn der Messerstecher Uwe heißt. Außerdem kann die Staatsanwaltschaft auch eigenständig ermitteln. Muss man aber nicht wissen, wenn noch einmal Gina Wollinger zu Wort kommt: ja, es gebe da mehr Straftaten, insgesamt sei das aber nur ein ganz kleiner Teil von Zugewanderten, außerdem jung und männlich, was das Kriminalitätsrisiko erhöhe. Dann noch eigenes Gewalterleben, niedrigere Schulform, falsche Gesellschaft, andere Einstellungen zur Männlichkeit. Also, wenn man das alles abzieht, „dann hat das Merkmal Migration statistisch überhaupt keine Rolle mehr“. Na, wunderbar!
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