„Wir werden uns von Rechtsradikalen nicht einschüchtern lassen“: Zum ersten Mal ertönt der Muezzin-Ruf über Göttingen

vor 5 Monaten

„Wir werden uns von Rechtsradikalen nicht einschüchtern lassen“: Zum ersten Mal ertönt der Muezzin-Ruf über Göttingen
Bildquelle: NiUS

Millionen Muslime begehen derzeit in Deutschland den Fastenmonat Ramadan. Zum feierlichen Fastenbrechen ertönte in der niedersächsischen Studentenstadt Göttingen am Dienstag erstmalig der Ruf eines islamischen Muezzins in der umstrittenen Ditib-Moschee am Königsstieg. Die Entscheidung, dies zu befürworten, wurde zuvor im Rahmen eines von der SPD-Stadtverwaltung organisierten „Runden Tischs der Religionen“ erläutert, bei dem Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde in Göttingen beteiligt waren. Kritik an dem Vorgehen gibt es vor allem aus konservativen Kreisen.

„Wir werden uns von Rechtsradikalen nicht einschüchtern lassen“, zitiert das Göttinger Tageblatt die Göttinger SPD-Oberbürgermeisterin Petra Broistedt in Bezug auf die Entscheidung der Stadt, den islamischen Muezzin-Ruf zum Anlass des Fastenbrechens im Ramadan am Dienstag in der kontroversen Ditib-Moschee in Göttingen zu unterstützen. Auf Instagram teilte die Oberbürgermeisterin ein Video des Muezzin-Rufs und bezeichnete das Vorgehen als einen „lang ersehnten Wunsch“ für die muslimische Gemeinde und einen „wirklich bewegenden Augenblick“.

Zustande kam die Idee, den Muezzin-Ruf in Göttingen am Dienstag ertönen zu lassen beim „Runden Tisch der Religionen“, der von der Stadtverwaltung Göttingen unter SPD-Bürgermeisterin Petra Broistedt organisiert wird. Beteiligt am Runden Tisch waren unter anderem der Superintendent der evangelischen Kirche, Dr. Frank Uhlhorn, Dechant Wigbert Schwarze von der Katholischen Kirche in Göttingen und Jaqueline Jürgenliemk, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen. Begründet wurde die Entscheidung mit der im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit, die laut der SPD-Oberbürgermeisterin „nicht nur die innere Überzeugung, sondern auch die sicht- und hörbare Ausübung von Religion“ schützen würde. Laut einer Pressemitteilung der Stadt Göttingen soll die Entscheidung zudem dem Schutz der „gemeinsamen Freiheit“ dienen.

Auf NIUS-Nachfrage, ob die Bürger zum Muezzin-Ruf mitentscheiden konnten, heißt es von Oberbürgermeisterin Petra Broistedt: „Einer behördlichen Genehmigung bzw. Erlaubnis zum einmaligen Muezzin-Ruf als singuläres Ereignis bedurfte es mit Blick auf die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit gar nicht.“ Zum „Runden Tisch der Religionen“ sagt Broistedt zudem, dass das Format dem „Austausch zwischen den Religionsvertreter*innen“ dienen und „kein Bürger*innen-Forum“ sei.

Kein „Bürger*innen-Forum“: Beim „Runden Tisch der Religionen“ konnten die Anwohner Göttingens nicht über den Muezzin-Ruf mitdiskutieren.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von NiUS

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von NiUS zu lesen.

Weitere Artikel