Das ist der Minister, den ihr wolltet. So führte Olaf Scholz (SPD) als frisch gewählter Kanzler seinen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ein. Der kam in der Pandemie auf 40 Talkshowbesuche im Jahr und schwadronierte sich damit ins Amt. Im Dezember 2021 war Corona noch wichtig genug, um den Mann zu befördern, der das Thema öffentlich besetzte wie kein anderer. Doch schon bald kippte das: Der Krieg in der Ukraine erhielt die Aufmerksamkeit. Lauterbach scheiterte im Bundestag mit einem Gesetz zur allgemeinen Impfpflicht und fortan musste er schon über „absolute Killervarianten“ oder „Revolution“ im Krankenhauswesen phantasieren, um noch die große Schlagzeile zu bekommen.
Friedrich Merz ist seit gut zwei Wochen Kanzler der Bundesrepublik. Sein Start war alles andere als gut. Auch, weil er der erste Kanzler war, der einen zweiten Wahlgang benötigte, um vom Bundestag gewählt zu werden. Vor allem aber, weil er mit dem Aufweichen der Schuldenbremse noch vor Amtsantritt einen dreisten Wortbruch beginn. Der Vorwurf, dass er gegenüber SPD, Grünen und Linken zu schnell umfalle, hatte ihn schon als Oppositionsführer begleitet.
Der große Knoten, den Merz eigentlich zerschlagen müsste, ist die deutsche Wirtschaft, die sich in der schwersten Strukturkrise in der Geschichte der Bundesrepublik befindet. Doch Merz ist der Mann, den man sich kaum vorstellen kann, wie er mit Wucht das Schwert über die Schulter schwingt, um zuzuschlagen. Eher, wie er bei dem Versuch nach hinten umfällt. Seine Schwäche scheint der Mann richtig einordnen zu können, der Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet über 20 Jahre lang aussitzen musste, um Kanzler werden zu dürfen. Also flieht Merz vor der großen Aufgabe im eigenen Land und versucht auswärts den tapferen Helden zu spielen. Vornehmlich im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
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