Ich wurde ein Linker, ohne es zu merken. Es war keine bewusste Entscheidung. Es war eine Art Sog, der mich mitriss. Alle um mich herum redeten damals das Gleiche, bis auf diejenigen, die gar nichts sagten. In unserer Welt gab es nur ganz wenige, die für die CDU oder die FDP waren, in unserer Klasse genau einen. Das war der Nazi. So nannten ihn manche. Der Nazi, sage ich heute, war der einzige Individualist unter uns. Er war in der Jungen Union. Nazi oder auch Faschist waren Sammelbegriffe für alle, die sich von einer sozialistischen Revolution nicht die Lösung aller Weltprobleme versprachen. Zu Partys wurden solche Leute nicht eingeladen.„“
Aber ich wollte dazugehören. Ich las, was alle lasen. Marx. Lenin. Hegel. Verstanden habe ich die Hälfte, von Hegel ein Zehntel. Um 1970 herum, mit 16, trat ich in die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend ein, die Jugendorganisation der DKP […] .Eine Parteikarriere habe ich nicht gemacht […].
Was bedeutet es heute für mich, links zu sein? Links zu sein bedeutet, dass man von Freiheit und Vielfalt redet und Freiheit und Vielfalt beseitigt, sobald man am Ruder ist. Man redet viel von Humanismus, aber das gilt meist nur für die, die dazugehören oder sich unterwerfen. Denn es gibt nun mal zweierlei Regeln, abhängig davon, ob jemand dazugehört oder nicht. Wer widerspricht, wird gecancelt, sofern man die Macht dazu hat. Das war ja schon bei dem angeblichen Nazi in unserer Klasse so.
Ein neues politisches Kastensystem wurde errichtet, in dem zum Beispiel die Schwulen ein bisschen unter den Queeren standen, so wie einst die Angestellten unter den Arbeitern, die Männer unter den Frauen, feministische Heterofrauen aber als so genannte TERFs unter den Lesben. TERF bedeutet Trans-Exclusionary Radical Feminist, auf Deutsch: Trans-ausschließende Radikalfeminist*in. Die Juden wurden zu Weißen erklärt, die optisch kaum zu unterscheidenden Araber dagegen zu Schwarzen – etwa mit der gleichen irren Logik, mit der in 30er Jahren die Kommunisten die Sozialdemokraten zu Faschisten erklärt hatten. […].
Sowohl der Marxismus als auch die Wokeness haben, als Erlösungsphantasien, die in einem paradiesischen, konfliktfreien Endzustand münden sollen, eine religiöse Komponente. Darüber wurde schon viel geschrieben. Voraussetzung für den paradiesischen Endzustand ist allerdings, dass vorher alle Gegner erledigt werden, früher physisch, heute sozial. Die linksgrüne Religion predigt Naturliebe, das Gebot der Nächstenliebe kennt sie nicht.
IRAN-KRIEG: Trump schmiedet Atom-Deal mit Saudi-Arabien! USA greifen Mullahs weiter an I WELT LIVE










