Natürlich sitzen nicht nur zwei Linke bei Maischberger – alle anderen Gäste und die Moderatorin selbst, Sandra Maischberger, passen, wie immer, ins Skript. Nur Nikolaus Blome von RTL äußert sich immer wieder riskant am Rande des Tolerierbaren. Als Anna Lehmann von der taz ihre Wasserfall-Kritik an der Reform des Bürgergeldes herausplätschert, belehrt Blome sie. Dass die meisten nicht arbeiten könnten, da sie keinen Bildungsabschluss hätten – hat in der Politik bisher auch keinen gestört – und dass Arbeitsplätze wegrationalisiert seien, beschwert sie sich. Doch Blome widerspricht vehement und nennt zahlreiche Möglichkeiten Arbeit zu finden.
Lehmann kommt mit einem persönlichen Beispiel, in dem ein Bürgergeldempfänger wegen einer Krebsbehandlung wochenlang nicht zum Briefkasten konnte. Ein Paradebeispiel linker Argumentationsstruktur – wenn alles nichts mehr hilft, wird die Emotion zum schlagenden Argument. Und sie lässt die Zuschauer auch ja nicht das Klima vergessen. Alles bekannt so weit. Aber irgendwoher muss ja ein bisschen Spannung in die Sendung kommen – also kurbelt der Militärhistoriker Sönke Neitzel wieder am Kriegspropagandahebel zwecks „Spannungsfall“.
Neitzel ist der Meinung, dass es an der Zeit ist, kriegstüchtig zu werden. Der Spannungsfall ist ja quasi schon verkündet: „Wir sind nicht mehr im Frieden. Wir sind aber auch nicht in einem erklärten Krieg. Wir sind irgendwas dazwischen.“ Er geht sogar so weit ein Zeitfenster vorzustellen: „Es kann nach wie vor die nächsten drei Jahre zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Truppen zwischen Russland und der Nato kommen. Und es kann gut sein, dass unsere Truppen in Litauen kämpfen müssen. Nächstes Jahr, übernächstes Jahr, in drei Jahren, wer will das sagen, aber die Gefahr ist da.“ Wieso ein Historiker in die Kriegs-Glaskugel schaut, weiß nur der ÖRR.
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