Magdeburg oder das große Versagen

vor 10 Monaten

Magdeburg oder das große Versagen
Bildquelle: Tichys Einblick

Als Taleb A. am 20. Dezember 2024 einen gemieteten schwarzen BMW X3 mitten in die Menschenmenge auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt fährt, ist er kein Unbekannter. Der saudische Staatsbürger war vielfach polizeilich aufgefallen und auch schon verurteilt worden.

Die Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss des sachsen-anhaltinischen Landtags zur Aufarbeitung der Todesfahrt von Magdeburg bringen jetzt Details ans Licht, die bisher nicht bekannt waren.

Es sind erschütternde Details, die jeden normalen Bürger an unserem Staat zweifeln lassen müssen.

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Kriminalhauptkommissar Walter Veicht nimmt bei seiner Befragung vor dem U-Ausschuss kein Blatt vor den Mund.

Veicht hat schon 2013 gegen Taleb A. ermittelt. Damals hatte eine Mitarbeiterin der Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern (LÄK M-V) Anzeige erstattet: Weil seine Zulassung zur Facharztprüfung nach seiner Meinung nicht schnell genug bearbeitet wurde, hatte Taleb A. bei einem Telefonat gedroht, es werde „etwas Schlimmes (…) von internationaler Bedeutung“ passieren: „wie in Boston“. Beim dortigen Stadtmarathon hatte kurz zuvor ein Attentäter mit einer Bombe drei Menschen getötet und viele weitere schwer verletzt.

Jetzt liefert Veicht Hintergründe, die bisher niemand kannte.

Der 69-Jährige hat viel Erfahrung: Insgesamt ein Vierteljahrhundert war der Karrierepolizist beim Staatsschutz. Zweimal war er in Kabul im Einsatz, zweimal für die EU-Grenzschutzagentur Frontex in Griechenland. Zwei Jahre hatte er eine leitende Position in der Flüchtlingsaufnahmestelle in Horst und dort sehr viel mit moslemischen Flüchtlingen zu tun.

Privat hat er sich intensiv mit dem Islam beschäftigt und den Koran in deutscher Übersetzung gelesen. Das ist weit mehr Expertise, als die allermeisten handelsüblichen Politiker vorweisen können.

Wegen der Terrordrohung („wie in Boston“) gab es nach der Anzeige der LÄK-Mitarbeiterin einen Durchsuchungsbeschluss. Die Wohnung von Taleb A., erinnert sich Veicht, war massiv unaufgeräumt und teilweise vermüllt. „Aufräumen war für ihn Frauensache, aber er hatte keine Frau.“ Auf dem Laptop wurde Pornomaterial gefunden. Taleb A. hatte sich vom besonders strengen wahabitischen Islam, der saudischen Staatsreligion, losgesagt.

Veicht erinnert sich aber gut daran, dass der Mann massive Probleme mit der westeuropäischen Kultur hatte. Besonders die gleichberechtigte Stellung der Frau bei uns war ihm ein Dorn im Auge.

In der Wohnung fanden die Ermittler Medikamente, Aufputschmittel, Schmerzmittel. Als Arzt hatte Taleb A. dazu fast unbegrenzten Zugang. Weil viele der Packungen geöffnet und angebraucht waren, hatte Veicht sofort die Vermutung: „Der nimmt das Zeug selbst.“ Der erfahrene Polizist schickte Proben der Medikamente an ein rechtsmedizinisches Institut und fragte an, wie die Substanzen – einzeln und in Kombination – wirken.

Die Antwort war alarmierend.

Die Kombination von Psychopharmaka und Steroiden war so brisant und gleichzeitig so selten, dass es dazu kaum Studien gab. Vom Rauschgiftdezernat bekam der Kommissar die Rückmeldung: Im Körper gibt das eine Höllenmischung. Das, sagt Veicht, sei ein einzigartiger Fall in seiner Karriere gewesen: „Ein Arzt, der Psychiater werden will, nimmt dasselbe Zeug wie die, denen er helfen soll.“

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