Selten in der Geschichte der letzten zweihundert Jahre spielte die geradezu manichäische Unterscheidung zwischen rechts und links als politische Grundkoordinaten eine so große Rolle und wohl noch nie als totale bis totalitäre Unterscheidung, als moralische Beurteilung eines Menschen, wobei „rechts“ inzwischen die Liste der Pejorationen anführt, wie in unseren Tagen.
Wer als „rechts“ markiert wird, gilt als größter Verbrecher, als Unmensch, anscheinend schon als Beobachtungsobjekt für den Verfassungsschutz. Doch dort, wo man nicht mehr rechts sein darf, befindet man sich in einer linken Diktatur, und dort, wo man nichts mehr links sein darf in einer rechten. So weit, so einfach.
Doch wie kommt man eigentlich dazu, Worte, die eine Orientierung im Raum ermöglichen, zu Begriffen zu machen, die für politische Richtungen stehen? Wie konnte aus einem harmlosen Adverb ein bitterböses oder grundgutes Adjektiv werden? Zwar sind die Zuordnungen rechts und links in aller Munde, doch stellt die Begriffsanalyse, die diese Bezeichnung verdient, ein schmerzliches Desiderat dar.
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