Ich, w. 25 J., Kolumnistin, hyperattraktiv, superintelligent, humorvoll u. lebensfroh, suche Superreichen mit Familienstiftung m. 20 – 98 J. als Partner fürs Leben oder zumindest bis zum Rosenkrieg, bei dem ich dann die Hälfte bekomme. Ich bin kinderlos und nicht single, kann es nach Vorlage eines Bankauszugs aber sofort werden. Ich bin geübt darin, in einer anregenden Unterhaltung über Aktienkurse im richtigen Moment „Ja“ zu sagen und durch aufmerksames Nicken mein Interesse zu signalisieren. Meine Hobbys sind Steuerbetrug, Tontaubenschießen und Golf.
Anja Reschke hat sich in ihrer neuesten Sendung „Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiften“ ein ganz hinterhältiges Steuerschlupfloch vorgenommen: Familienstiftungen. Wenn man so richtig viel Kohle hat, kann man damit nämlich sein Vermögen mit Steuerbegünstigungen vor dem Staat verstecken. Während die Armen sich an Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Hundesteuer und Jungfernsteuer dusselig und dämlich zahlen, werden die Reichen immer reicher. Denn die wahre Ungerechtigkeit in Deutschland ist doch, dass sich die einen gute Steuerberater leisten können und die anderen eben nicht.
Der Begriff der „Neiddebatte“ war kaum jemals so treffend wie hier. Zahlen die Reichen wirklich zu wenig Steuern? Oder zahlen die einfachen Leute nicht vielleicht einfach zu viel? Leider fragt sich Anja Reschke nicht, wie es kommt, dass Deutschland als ach so reiches Land sein Geld in der ganzen Welt verschenken kann und für alles Geld da ist, außer für die staatlichen Grundfunktionen. Und da müssen dann die Reichen kommen und den Job machen, den Lars Klingbeil nicht hinbekommt?
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