Mit wem von den in Teheran Verfeindeten können die US verhandeln?

vor 3 Monaten

Mit wem von den in Teheran Verfeindeten können die US verhandeln?
Bildquelle: Tichys Einblick

US-Marines enterten und beschlagnahmten am 19. April das iranische Frachtschiff M/V Touska. CENTCOM fing das iranisch-flaggte Schiff (Teil der sanktionierten Islamic Republic of Iran Shipping Lines – IRISL) im nördlichen Arabischen Meer ab. Das Schiff lief mit 17 Knoten Richtung Bandar Abbas (Iran) und versuchte, die US-Blockadezu durchbrechen. Sicherheitsquellen (zitiert von Reuters) schätzen, die Touska hatte Dual-Use-Güter an Bord. Das Schiff kam von einer Asien-Reise (u. a. Häfen in China und Malaysia) und hatte schon früher solche Güter transportiert.

Offiziell gibt es noch keine detaillierte Liste der Ladung – die Inspektion läuft. Trump schrieb auf Truth Social, die Truppen würden gerade „sehen, was an Bord ist“. Die IRISL steht seit 2019 unter US-Sanktionen, weil sie Teile für Irans Raketenprogramm transportiert haben soll. Die Aktion ist Teil der US-Seeblockade iranischer Häfen, die nach gescheiterten Verhandlungen verhängt wurde. Die USA wollen darüber hinaus verdächtige Schiffe weltweit kontrollieren und „Konterbande“ (auch Dual-Use-Güter) beschlagnahmen. Das IRGC-Regime in Tehearan sprach von „bewaffneter Piraterie“ und „offener Aggression“ und begründete keine sofortige Gegenaktion mit Familien an Bord der Besatzung.

Viele fragen, verhandeln Washington und Iran in Islamabad? Von Vorbereitungen, die auf Hochtouren laufen, ist die Rede, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und so weitere. Verhandelt wird aktuell nicht. Die nächsten Stunden und Tage gelten als entscheidend, ob die zweite Runde tatsächlich zustande kommt. Dabei fällt bei allen unter den Tisch, mit wem Amerika da eigentlich verhandeln kann. West-Medien sprechen vom Iran so, als gäbe es dort EINE Regierung. – IRGC-Vahidi sagt, Verhandlungen kämen nicht infrage. Aber wer weiß, wer in Teheran was als nächstes sagt.

Shanaka Anslem Perera erklärt in seinem fachkundigen Text auf 𝕏. Die Islamische Republik Iran befinde sich nicht in einer theokratischen Krise. In keinem Kampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern. Der Sohn des toten Obersten Führers liege im Koma auf einer Intensivstation in Teheran. Die vier Männer, die das Land faktisch regierten, seien eine Art Veteranentreffen des Iran-Irak-Krieges der 1980er-Jahre – allesamt Kommandeure der Revolutionsgarden derselben Generation. Alle Westler Kommentatoren sähen die Situation aus dem falschen Blickwinkel. Der Bezugspunkt sei nicht Teheran 2009, sondern Moskau 1924.

Die verborgene Struktur: Vahidi befehligte die Quds-Einheit 1988 bis 1997, Ghalibaf Khatam al-Anbiya und danach die Luft- und Raumfahrtstreitkräfte des IRGC 1996 bis 2000. Zolghadr, nun Sekretär des Sicherheitsrates, war von 1997 bis 2005 Vize-Oberbefehlshaber des IRGC. Mohsen Rezaei, nun Militärberater des Obersten Führers, war von 1981 bis 1997 Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden. Vier Männer. Eine Institution.

Laut Iran International vom 20. April habe der Sprecher des iranischen Parlaments Ghalibaf den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Saeed Jalili und den Abgeordneten Amirhossein Sabeti intern als „extremistische Milizen, die den Iran zerstören wollen“ bezeichnet. Vahidi sich in derselben Woche über Außenminister Araghchis Erklärung hinweggesetzt, die Grenze zu Hormuz sei geöffnet, indem er Tanker beschießen ließ. Das Staatsfernsehen nannte Araghchi einen Idioten. Vahidi versuchte, Zolghadr in die Islamabad-Delegation einzuschleusen. Die Delegation verließ Islamabad am 11. April.

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