Es gibt bei Hans Christian Andersen den Moment, in dem der ganze Betrug offen vor aller Augen in sich zusammenfällt. Der Kaiser marschiert jetzt noch ein paar Tage weiter, weil in dem Türmchen, in dem er sich eingemottet hat, noch ein paar letzte Lakaien herumlaufen, die seine schönen Kleider loben. Aber die Realität steht laut gegen die Türen hämmernd und zum Turm heraufrufend vor den Toren. Bei Friedrich Merz ist dieser Moment erreicht. Die Inszenierung ist komplett in sich zusammengebrochen. Der historische AfD-Wahlsieg von Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt und Merz‘ kompletter Meltdown seither hat den Schleier weggezogen. Nun sagen alle: der hat ja überhaupt nichts auf der Pfanne. Der falsche Kaiser ist nackt.
Übrig bleibt ein komplett gescheiterter Mann, der durch eine politische und wirtschaftliche Trümmerlandschaft läuft und sich selbst unverdrossen zum Baumeister des Erfolgs erklärt.
Seit Monaten liefert Merz Beispiele dafür, wie weit seine Wahrnehmung von der Realität entfernt ist. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist daraus ein politisches Delirium in beschleunigter Form geworden. Die CDU wurde dort auf 17,2 Prozent zusammengeschlagen. Die AfD erreichte 43,8 Prozent. Die CDU verlor sämtliche Direktmandate. Drei Viertel der Sachsen-Anhalter sehen Merz persönlich als Ursache des Wahlausgangs. Ganze neun Prozent bewerten seine politische Arbeit noch positiv.
Jeder Politiker mit einem Rest an Selbsterhaltungstrieb würde angesichts solcher Zahlen wenigstens für einige Stunden schweigen. Jeder Politiker, der seinem Vorgänger bei längst nicht so schlechten Werten das Stellen der Vertrauensfrage nahelegte, würde jetzt mit einem letzten Funken Ehre in einem ansonsten ehrlosen Leib den Rückzug antreten. Die Menschen im Land hassen Merz. Mit zunehmender Inbrunst. Wohin der Mann auch kommt, er wird ausgebuht und ausgepfiffen. Seine Umfragewerte: jeden Monat neue Tiefpunkte in der Zustimmung.
Merz tritt aber weiter vor die Öffentlichkeit und erklärt seine „Entschlossenheit, den Reformkurs fortzusetzen“, für „ungebrochen“. Die Menschen müssten seine Politik lediglich besser erklärt bekommen. Man müsse sie „in ihrer ganzen Emotionalität stärker erreichen“. Für die Koalition brauche es eine „neue, bessere Erzählung“. Das ist inzwischen keine Kommunikationspanne mehr, es ist die vollständige Verwechslung von Wirklichkeit und Kanzlerfantasie. Die Wähler haben Merz sehr genau verstanden. Genau deshalb laufen sie ihm davon.
DEUTSCHLAND: Redeschlacht im Bundestag eskaliert! Kanzler Merz und AfD-Weidel zoffen sich! I STREAM









