Jahrzehnte und Jahrhunderte der Naturunterwerfung stürzen in Berlin binnen weniger Tagen zusammen – wir beten zu den Wettergöttern, machtlos ihrem Treiben ausgesetzt. Dafür reicht Eisregen, eine sektenhafte Ideologie und ein Bürgermeister, der wieder einmal in der Krise abschaltet. Seit Wochen ist Berlin eine riesige Eiskunstfläche. Und jüngst war selbst der Berliner Flughafen wegen Blitzeis für zwei Tage nicht anzufliegen. Der Winter ist eine Katastrophe, mit der niemand in Berlin rechnen konnte.
Kai Wegner verkündet nach dem Sieg des NABU vor Gericht, mit dem man ein erneutes Tausalzverbot erstritt: „Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt wird nun weiterhin eng abgestimmt mit der BSR und den Bezirken mit den vorhandenen Mitteln gegen die Eisglätte vorgehen und für Sicherheit auf Berlins Straßen, Gehwegen und Plätzen sorgen.“ Was für eine scheppernde Ansage, oder? Er spitzt es zu: „Rechtssicherheit für den verantwortungsvollen Einsatz von Tausalz bei extremen Wetterbedingungen erreichen wir dauerhaft nur durch eine Anpassung des Straßenreinigungsgesetzes – im Einklang mit Umweltbelangen und der Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser Stadt.“Wenn Wegner spricht, erkennt man in seinem Gesicht kaum etwas, emotional transportiert sich bei ihm so enorm wenig, dass es den Zuseher schon aufregt – Ähnliches wusste sonst nur Olaf Scholz auszulösen. Die kurzfristige Unterbrechung der Zivilisation in Berlin erzeugt bei Wegner keine Regung, er hat auch keine Aggression zu mobilisieren, mit der man einen Befreiungsschlag versuchen könnte. Ja, wenn man die Dinge so bürokratisch versteht, dass man trotz Notlage einschläft, dann verstehe ich auch, dass man lieber Tennis spielen geht.
Doch neben allgemeinen Auflösungserscheinungen lässt sich in Berlin auch das Werk einer konkreten Ideologie beobachten. Der NABU hat es mit seiner Klage ja unmissverständlich klargemacht: Bäume sind im Zweifel auch mal wichtiger als Menschen. Auch wenn Rentner über Tage das Haus nicht verlassen können, Hauptsache, die Pfoten von Haustieren werden nicht belastet. Die Klage wurde wohlgemerkt nicht eingereicht, nachdem man ein paar Tage abgewartet hätte, um die akute Notlage vielleicht noch zu überbrücken. Bei den radikalsten Vertretern der Öko-Ideologie ist das Desinteresse an den Kollateralschäden ihrer Aktionen so enorm, dass man manchmal kaum mehr umhinkommt zu denken, der Kollateralschaden wäre das eigentliche Ziel.
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