Guter Wal – armer Wolf: Naturkult und Ideologie

vor 4 Monaten

Guter Wal – armer Wolf: Naturkult und Ideologie
Bildquelle: Tichys Einblick

Manchmal wirkt es so, als würden die Deutschen die Tiere mehr lieben als die Menschen. Das muss kein Argument gegen ein Volk sein. Aber es bestätigt sich in diesen Tagen wieder. Während die Welt wie gebannt auf den Iran und die dortige Auseinandersetzung schaut, während sich auch im Inneren viele hochgradig politische Themen nicht nur denken lassen, sondern unübersehbar auf dem Tapet sind, blickten größere Medien und wohl auch deren Konsumenten tagelang auf einen gestrandeten Wal an der deutschen Ostseeküste. Ein, zugegeben, seltenes und ungewöhnliches Spektakel. Aber der Wal, ein wildes Tier mit entsprechender Würde, verkam bald zum Kuscheltier, um das ganz so gebangt wurde, als hätten die anwesenden Deutschen nun eine besondere Verantwortung für es.

Und daneben ist dieses Land Wolfserwartungsland, so der offizielle Terminus. Das stimmt aber nur noch teilweise, vor allem für den Süden. Im Osten und Norden ist der Wolf schon stark vertreten. In Niedersachsen lebt die Landbevölkerung schon im Terror vor dem Wolf. Das betrifft nicht nur Schäfer und andere Viehwirte, sondern auch Pferdehalter. Sie halten bei Sichtungen selbst Wachen vor der Weide, sehen den Wolf am hellichten Tag durch ihre Ortschaften streifen und können leider nichts machen. Eine Bürgermeisterin, die hoffte, durch Kontakte in die Landespartei etwas ändern zu können, ist inzwischen aus ihrer Partei ausgetreten. Es war die SPD. Die Wolfserwartung ist Ideologie, ist Dogma, und dem kann offenbar keiner widersprechen.

Und jetzt also plötzlich: Der Wolf in der Stadt, in Hamburg-Altona. Menschen in der Stadt bekommen die Chance zur Berührung mit der echten, unverbrämten Natur, die sie doch so sehr herbeisehnen. Das passiert etwa in vielen TV-Dokumentationen, die uns vom natürlichen Gleichgewicht im Yellowstone-Park erzählen, damals, als endlich die Wölfe zurück waren. Das wird in einer Weise idealisiert, die vor allem nichts mehr mit der Realität der Bundesrepublik Deutschland zu tun hat.

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