Es ist der Halbkonservative Gabor Steingart, der mit einem einschlägigen Kommentar diese Woche den Tiefpunkt erreicht. Die „Gespenster der Vergangenheit“ würden „ihre Prägekraft“ verlieren. Dann schreibt Steingart: „Israel wird nicht mehr nur als Opfervolk gesehen, sondern auch als Gesellschaft, die eigene Tätereliten hervorgebracht hat.“ Und dann: „Israel erfährt erstmals eine Behandlung ohne Samthandschuhe; notwendig in einer Situation, in der erkennbar Unrecht mit Unrecht vergolten wird.“
Ganz abgesehen davon, dass man erstaunlich wenig Ahnung von der israelischen Geschichte haben muss, wenn man glaubt, das Land sei bisher „mit Samthandschuhen“ angefasst worden: Steingart zeigt den aktuellen Stand der Debatte. Es reicht nicht nur, Israel zu kritisieren – man kann es nicht lassen, dabei in jedem zweiten Satz auf den Holocaust zu rekurrieren.
Es ist ein Mythos, dass der Holocaust Deutschlands Position zu Israel letztlich verbessern würde – das Gegenteil ist der Fall. Die Israel-Frage wird missbraucht, um die dahinterliegende Schlussstrich-Idee endlich artikulieren zu können – endlich kann Deutschland ganz im Zeitgeist in ungebrochene moralische Höhen zurücksteigen und den erhobenen Zeigefinger in alle Richtungen ausstrecken.
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