„Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet.“ Das stammt nun nicht von Wladimir Putin oder Xi Jinping, auch nicht von Kim Yong-un oder Alexander Lukaschenko. Nein, so spricht der deutsche Bundeskanzler im Februar 2026.
Auf dem politischen Aschermittwoch seiner CDU im rheinland-pfälzischen Trier lobt Friedrich Merz den aufopferungsvollen Mut der politischen Klasse – der er selbst bekanntlich sein ganzes Leben lang angehört – und tadelt die Feigheit der kritischen Bürger:
„Wir stellen uns in der Politik auch mit Klarnamen und offenem Visier einer Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft. Dann erwarte ich das auch von allen anderen, die sich kritisch mit unserem Land und unserer Gesellschaft auseinandersetzen.“
Ein Bundeskanzler, der so etwas sagt, hat weder das Grundgesetz verstanden noch sein Amt.
Dass Merz sich jetzt darüber beklagt, in der Öffentlichkeit zu stehen und womöglich – Gott bewahre – dort auch noch kritisiert zu werden, ist geradezu kindisch.
Die Verfechter der Anonymität im Internet seien „häufig genug Leute, die im Schatten der Anonymität größtmögliche Transparenz von anderen fordern“, kritisiert der Kanzler. Ja, was denn sonst? Herr Merz vergisst hier geflissentlich, dass er und seine Kaste auch von den anonymen Kritikern bezahlt werden. Selbstverständlich haben alle Steuerbürger einen Anspruch auf größtmögliche Transparenz der Politik.
Nicht umgekehrt.
Friedrich Merz trifft sich in seinem Weltbild nicht nur mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, sondern mit praktisch allen Vertretern aller Parteien von „Unsere Demokratie“. CDU und CSU, SPD und Grüne, die „Linke“ sowieso: Sie alle sind Etatisten.
Sie können die Gesellschaft nur vom Staat her denken: von oben nach unten.
In diesem Denkgebäude ist der Bürger weder mündig noch gar der Souverän. Vielmehr sind „die Menschen in unserem Lande“ steuerpflichtige Untertanen und ansonsten Objekte staatlicher Erziehung, Bevormundung und Betreuung.
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