Am Dienstagmorgen war Wolfgang Kubicki bei NIUS Live zugeschaltet. Im Gespräch mit Alexander Kissler, Julian Reichelt und Pauline Voss sprach er über seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz, den Absturz der Liberalen, Meinungsfreiheit, Koalitionsfragen und seine Vorstellung davon, wie die Partei wieder zweistellig werden könnte.
Er gilt als einer der letzten Liberalen alter Schule und traut sich nach eigenen Worten zu, sPartei aus der politischen Versenkung zu führen. Lesen Sie hier das ganze Interview:
NIUS: Herr Kubicki, Sie wollen es noch mal wissen. Die FDP liegt darnieder, fliegt aus einem Landtag nach dem anderen, wird in bundesweiten Umfragen mittlerweile unter „Sonstige“ geführt. Sie haben gesagt: Das Elend kann ich mir nicht mehr länger anschauen, ich muss nun Bundesvorsitzender werden. Was macht Sie so sicher, dass Sie der Richtige sind, um die FDP aus dem Tal der Tränen zu führen?
Wolfgang Kubicki: Nichts macht mich sicher. Ich mache meiner Partei ein Angebot. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und meiner vielen Wahlkämpfe, die ich gestaltet habe, und des vielen Zuspruchs aus der Bevölkerung, weil ich, das müssen Sie mir nachsehen, nach 56 Jahren Mitgliedschaft in dieser Partei einfach nicht zusehen kann, dass sie sich von der politischen Bühne verabschiedet und bedeutungslos wird. Und die letzte Kraft, die ich jetzt aufwenden kann, die soll dazu dienen, die Partei wieder in den politischen Meinungsraum zurückzuführen, sie wieder zu einer entscheidenden politischen Kraft in Deutschland zu machen. Dazu braucht es viele Anstrengungen und eine überzeugende Mannschaft, die es leisten kann. Und dabei bin ich gerade, sie zusammenzustellen.
NIUS: Die FDP steht aktuell bei drei Prozent. Woran hat es gelegen, dass die Partei solche verheerenden Umfrage- und Wahlergebnisse einfährt? Sind das immer noch die Nachwehen der Regierungsbeteiligung zu Ampelzeiten?
Wolfgang Kubicki: Ja. Zunächst einmal ist es so, dass ich mich nicht dabei einrichten will, dass wir uns freuen, von zwei auf drei Prozent gestiegen zu sein. Wir müssen deutlich über fünf Prozent erreichen. Das Wählerpotenzial ist auch da. Und wir können sehen, dass seit 2022 die FDP bei Meinungsumfragen pro Monat ungefähr 0,5 Prozent verloren hat, bis hin zum Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag. Das kann logischerweise nur etwas mit unserem Erscheinungsbild in der Ampelkoalition zu tun haben, mit der Politik, die bei den Menschen angekommen ist. Viele Menschen haben das Empfinden gehabt, die uns 2021 gewählt haben, wir seien derjenige Partner in der Koalition, der zu einer rot-grünen Politik die Mehrheit herstellt. Dass das nicht der Fall ist, spielt gar keine Rolle. Es ist entscheidend, dass wir den Menschen wieder das Gefühl geben, die Positionen, die wir markieren, politisch, und dazu kommen wir ja vielleicht noch, das sind diejenigen Positionen, die wir im Zweifel auch durchsetzen wollen, die gut sind für unser Land, die gut sind für die Menschen. Und wir müssen dieses Vertrauen, das in den letzten Jahren verloren gegangen ist, Stück für Stück zurückgewinnen. Und ich traue mir das zu, dass das gelingen kann.
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