Europa und das Phänomen Donald Trump

vor 6 Monaten

Europa und das Phänomen Donald Trump
Bildquelle: Tichys Einblick

Donald Trump ist erst ein Jahr im Amt als 47. Präsident der USA. Bereits in dieser kurzen Zeitspanne hat er so viel Bewegung in die US-Politik, aber auch in die Weltpolitik gebracht wie kein anderer Politiker seit Franklin Roosevelt in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Seine zweite Präsidentschaft ist auch gekennzeichnet von der Unfähigkeit deutscher Politiker, aber insbesondere auch deutscher Medien, das Phänomen Donald Trump auch nur ansatzweise erfassen zu können, geschweige denn einen angemessenen Umgang damit zu finden. Das ist angesichts von drei weiteren Jahren, die Deutschland und Europa mit Trump wird leben müssen, eine selbstverschuldete Katastrophe.

Tatsächlich ist das Phänomen Trump auch im historischen Vergleich nur mit Superlativen beschreibbar. Keiner seiner 44 Vorgänger hält auch nur annähernd so viele historische Rekorde: mit 78 Jahren ältester gewählter Präsident, einziger Präsident ohne jegliche militärische oder politische Erfahrung, einziger Präsident mit zwei Impeachments, einziger Präsident mit mindestens zwei deutschen Großeltern, und einer von nur zwei Präsidenten mit zwei nicht-konsekutiven Amtszeiten sind nur eine Auswahl dieser Einzigartigkeiten.

Damit entzieht sich Trump nahezu jedem historischen Vergleich. Doch insbesondere die Tatsache, dass er vor allem die zweite Präsidentschaft „against all odds“, also allen Widrigkeiten zum Trotz gewonnen hat, macht ihn zum Helden seiner Anhänger. Der mächtigste politisch-mediale Komplex der Welt hatte es nicht geschafft, den Wahlsieg eines von Sonderanwälten und parteiischen Richtern gehetzten 78jährigen zu verhindern.

Selbst der heimtückische Mordversuch eines Linksextremisten scheiterte letztlich nur durch den ungeheuren Zufall einer Kopfbewegung in der winzigen Zeitspanne zwischen der Auslösung und dem Einschlag der Gewehrkugel. Das kurz danach entstandene Bild des blutenden Kandidaten mit der erhobenen Faust ist schon jetzt zur Bild-Ikone unseres Jahrhunderts geworden.

Diese Ikone ist der bildliche Ausdruck einer historischen Unbeugsamkeit. Sämtliche Angriffe seiner Gegner, die andere Politiker zu Fall gebracht, wenn nicht vernichtet hätten, prallen an ihm scheinbar wirkungslos ab. Niemand, schon gar nicht die verzweifelte Opposition, scheint in der Lage, ihm eine Agenda wie etwa in Gestalt der „Causa Epstein“ aufzuzwingen; er zwingt durch die schiere Zahl und das rasende Tempo der von ihm angestoßenen Umwälzungen seine Agenda allen anderen auf.

Seine rhetorischen Grenzüberschreitungen sind aus Sicht einer von Links definierten politischen Korrektheit schon gar nicht mehr zählbar. Solche Grenzüberschreitungen praktiziert er auch in Verhandlungen. Dabei ist sein Stil seit seiner Zeit als Immobilientitan in New York bestens bekannt und daher berechenbar: Maximale Forderungen zu Beginn, anschließend Verhandlungen mit zügigem Abschluss eines „Deals“, der einigermaßen auf Augenhöhe endet.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel