Die Erdgasversorgung: Ernste Lage oder viel Lärm um nichts?

vor 4 Monaten

Die Erdgasversorgung: Ernste Lage oder viel Lärm um nichts?
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Sonne steigt höher, die Temperaturen sind scheinbar übergangslos vom Winter in ein warmes Frühjahr gesprungen. Die Gasspeicherstände in Europa und Deutschland stabilisieren sich auf niedrigem Niveau, weil der Import in etwa den Verbrauch abdeckt. Mit Sicherheit wird es keine Versorgungseinschränkungen geben, die man in einem kalten März nicht hätte ausschließen können.

Die Speicherstände haben sich in Deutschland bei etwa 20 Prozent stabilisiert. Nun bringt der Krieg um den Iran neue Unwägbarkeiten. Zwar wurde Europa nur in geringem Maß aus Katar beliefert, aber für den Weltmarkt sind Einschränkungen, besonders für Asien, eingetreten. Das führt bei uns nicht zum Mengen-, sondern zu einem absehbaren Preisproblem.

Die Speicher müssen über den Sommer aufgefüllt werden, das wird teuer und wohl ohne staatliche Stützung nicht möglich sein. Nun droht Russland, schon vor dem EU-Embargo 2028 die Lieferungen einzustellen, weil es zuverlässige Kunden sucht. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges tönen deutsche Politiker und „Qualitätsmedien“, Russland würde durch die inzwischen zwanzig Sanktionspakete ruiniert, stattdessen werden sie zum Bumerang und schaden uns mehr als dem Riesenreich. Deutsche und EU-Politiker sind immun dagegen, Fehler einzugestehen.

Die Preise werden steigen durch weniger Angebot und durch eine irreale deutsche Klimapolitik, die meint, durch Verknappung und Verteuerung von Energie das globale Klima „retten“ zu können. In asiatischen Ländern wird man dem entfallenden Gas aus Katar durch die teilweise Substituierung durch Kohle begegnen. China brachte allein 2025 52 neue Kohlekraftwerke mit insgesamt etwa 80.000 Megawatt ans Netz, an einen „Ausstieg“ ist nicht zu denken. Wir wollen unsere zirka 30.000 Megawatt Kohleleistung, grundlast- und regelfähig, loswerden und haben keinen Ersatz. Es reicht offenbar, den Funktionären unserer schon länger regierenden ehemaligen Volksparteien zuzurufen, wir würden bald riesige Stromspeicher und jede Menge grünen Wasserstoff haben. Die glauben das.

Eine deutsche Dekarbonisierung von heute auf morgen wäre aus Sicht der globalen Emissionen völlig folgenlos. Der menschengemachte Industriewandel durch Verteuerung von Energie reduziert zielgerichtet das Lebensniveau. Die deutsche Regierung hat damit offenbar kein Problem, gilt doch der Kampf gegen den Klimawandel als höchstes Ziel, ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst wenn die Energiepreise auf dem Weltmarkt steigen, halten CDU und SPD an den Sonderlasten fest. Andere Regierungen in Europa wie Italien und einige osteuropäische Länder wollen der ruinösen Form des CO₂-Zertifikatehandels (ETS) nicht mehr folgen und fordern eine Aussetzung des Systems. Auch in Deutschland mehren sich die Stimmen aus Industrie und Gewerkschaft IG BCE, die in diesem System eine akute Gefahr für die Industrie sehen.

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