Die Amtseinführung des 47. Präsidenten liegt tatsächlich erst knapp zwei Monate zurück. Erwartungsgemäß fällt das deutsche Medienecho verheerend aus: glaubt man den allermeisten deutschen Leitmedien befindet sich eine der ältesten Demokratien der Welt im steilen Sinkflug oder aber in der geplanten Ziellandung auf einer Piste, die geradewegs in Richtung autoritärer Staatslenkung führt. Wieder einmal sei also die US-amerikanische Demokratie in existenzieller Gefahr, ein Motiv das verdächtig vertraut und stark nach der ersten Amtszeit Trumps klingt, als ein deutsches Nachrichtenmagazin das Antlitz Trumps auf dem Titelblatt in einen dystopisch auf die Erde zurasenden Kometen abwandelte. Die Hysterie der 10er Jahre wird einfach wieder neu aufgewärmt.
Ist Donald Trump tatsächlich im Inbegriff, die Grundfesten der US-amerikanischen Demokratie zu schleifen, sich verfassungswidrig zum Diktator auf Lebenszeit aufzuschwingen, die amerikanischen Unis anzugreifen oder gar die Pressefreiheit zu torpedieren? Glaubt man der teils lediglich tendenziösen, teils geradezu bösartigen Presseberichterstattung in Deutschland, die stark durch die vorherrschende Windrichtung in Hamburger Redaktionsstuben eingenordet wird, so lautet die Antwort klar: aber ja. Wieder mal ist es 1933 in Washington.
Zeit also, Trump ein wenig neutraler einzuordnen und eine erste Bilanz des neuen Präsidenten vorzunehmen. Zunächst ist es ja ungewöhnlich, daß ein gewählter Politiker auch umsetzt, was er im Wahlkampf versprochen hat. Und daß das Wahlergebnis unvorhergesehenerweise so klar ausfiel, straft die Unkenrufe vom im Kern undemokratischen Charakter der Trump-Ära ja ohnehin Lügen. Gleichwohl ist es zuweilen schwer, bei Trumps Innen- und Außenpolitik klare stringente Linien auszumachen. Stehen turbulente, ja chaotische Zeiten ins Haus?
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