Ein Anfang ohne Zauber

vor mehr als 1 Jahr

Ein Anfang ohne Zauber
Bildquelle: Tichys Einblick

Das fing gut an! Die neue Legislaturperiode des Deutschen Bundestags eröffnete ein Mann mit Vergangenheit als letzter Vorsitzender der SED, als Anwalt der DDR-Diktatur.

Was hat es zu bedeuten, dass er es mittlerweile zum dienstältesten Abgeordneten des Bundestags gebracht hat? Ist Gysi nur ein Beweis für die Wandelbarkeit der menschlichen Natur? Ein Muster an Anpassungsfähigkeit? Oder zeigt sein (für ein paar Minuten) Aufstieg zum obersten Repräsentanten des Souveräns, dass etwas schiefgelaufen sein muss? Wie auch immer. Man nennt es Demokratie. Auch Gegner der Freiheit profitieren von der Freiheit. Links, ganz links, ist längst salonfähig. Ganz rechts natürlich nicht. Ganz rechts wird ausgegrenzt. Diese Demokratie hat Schlagseite.

Wäre es mit rechten Dingen zugegangen, wäre der tatsächlich älteste Abgeordnete Alterspräsident geworden. Um das zu verhindern, wurde schon vor vier Jahren die Geschäftsordnung geändert. Alexander Gauland hat eine makellose demokratische Vergangenheit, diente der Bonner Republik in der CDU und ist auch heute kein Radikaler, obwohl er immer wieder seinen Parteifreund Höcke in Schutz nimmt. Von Demokratie versteht er mindestens so viel wie Gysi. Aber als Ehrenvorsitzender der AfD gehört er zu den Unberührbaren, ebenso wie der frühere Bundeswehrpilot Gerold Otten, der deshalb nicht Bundestagsvizepräsident werden durfte. Gegen Gauland wurde vorgebracht, man riskiere eine der Würde des Hauses unangemessene Rede. Darauf hätte man es getrost ankommen lassen können. Sicher ist, die Rede des Herrn Gysi, ein selbstgefälliges, pharisäerhaftes Gejammer über die verlorenen Errungenschaften der DDR und vermeintlich benachteiligten Ossis, war nicht zu unterbieten. Der nächste Kanzler sollte sich bei ihnen, den Ostdeutschen, im Namen aller Westdeutschen entschuldigen, forderte Gysi. Wofür? Dafür, dass die preußisch-protestantische-DDR-Errungenschaft Angela Merkel das Land herunterwirtschaften durfte? Auch sie ein Kollateralschaden der Wiedervereinigung.

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