Parteitage müssen den Parteimitgliedern gefallen. Es sind Feste der Selbstvergewisserung mit gruppentherapeutischen Zügen. Das galt erst recht für den dreitägigen Parteitag der Grünen nun in Wiesbaden.
Zugleich aber lieferte der, wie es offiziell hieß, „50. Bundesdelegiertenkongress“ eine erhellende Erkenntnis, die bisher kaum wahrgenommen wurde. Die Grünen wollen Deutschland regieren, aber nicht von Deutschland reden. Sie haben keinen Begriff von dem Land, in dem sie herrschen wollen.
Die Parteispitze der Grünen beim Parteitag in Wiesbaden.
Aus der grundlegenden Scheu, das Wort „Deutschland“ oder gar „die Deutschen“ in den Mund zu nehmen, spricht eine sehr spezielle Blickrichtung auf die Welt – und ein grundlegendes Problem. Um als Zehn- bis Zwölf-Prozent-Partei einigermaßen mehrheitsfähig zu werden, müssten die Grünen weit über ihr linkes Kernmilieu hinaus reichen. Das weiß niemand besser als Klimaschutz- und Umweltminister Robert Habeck. Er erhebt für die Grünen den „Anspruch auf Führung“. Wie aber soll eine Partei Mehrheiten im Volk erringen, die den Namen dieses Volkes fürchtet wie der Teufel das Weihwasser?
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