Jeden Tag ein neuer Vorschlag zur Sanierung der Sozialversicherung. Besonders beliebt ist derzeit die Idee des SPD-GMöchtegroßökonomen Marcel Fratzscher: Reiche Rentner sollen geschröpft und im übrigen zur Bundeswehr oder zum Dienst in Sozialeinrichtungen zwangsverpflichtet werden. Da wird es Zeit, an ein paar Grundsätze zu erinnern. Egal, ob man Bärbel Bas, der Sozialministerin, oder Friedrich Merz zuhört: Beide reden sehr freihändig und ahnungslos über dieses Feld. „Wir leben über unsere Verhältnisse“, dröhnt Friedrich Merz. Ahnung haben sie beide nicht. Und beide verteilen freihändig das Geld der Versicherten, das ihnen aber nicht gehört.
Jeder, der als Arbeitnehmer am Monatsende auf seine Gehaltsabrechnung schaut, ist erschüttert über die Abzüge zu den Versicherungen. Viele nehmen es hin, weil sie davon ausgehen, dass sie im Alter oder im Falle von Krankheit geschützt werden. Nachrechnen fällt schwer, schon weil die Hälfte der insgesamt geleisteten Beiträge vom Arbeitgeber abgeführt, also vor dem Versicherten versteckt werden.
Verdoppeln Sie einfach mal die Summe der Abzüge – dann sind Sie bei den wahren Kosten und Beiträgen angekommen. Denn klar ist: Für den Arbeitgeber zählen Sozialversicherungsbeiträge eiskalt zu den Lohnkosten. Ob diese an den Arbeitnehmer ausbezahlt werden oder an den Staat, verändert für die Kalkulation des Arbeitgebers nichts. Deshalb ist Arbeit in Deutschland so teurer – und alle Brutto-Netto-Rechnungen, die man so findet, sind geschönt. Der Arbeitgeberanteil muss aufs Brutto drauf. Umso jämmerlicher, was Netto bleibt. Und führt man diese Rechnung durch, dann kommt man zu einem höchst nachdenkenstwertem Ergebnis.
Wer später mal 2.000,00 Euro Rente beziehen will oder schon bezieht, hat nach heutiger Rechnung rund 450.000,00 Euro Beiträge in Form von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil abgeführt. Das muss man sich mal vorstellen: Hätte man vor 40 Jahren OHNE Rentenabzüge ein Haus finanziert, wäre es längst abbezahlt, hätte seither Miete gespart und wäre angesichts der Immobilienpreissteigerungen der vergangenen Jahrzehnte in jedem halbwegs normalen Ballungsraum Immobilien-Millionär. Aber wir sind es nicht. Wir sind arme Schlucker, denn eine Rente von 2.000 Euro ist nun wirklich die untere Grenze.
Dieser Mechanismus erklärt auch, warum bei allen Vermögensvergleichen mit Italien, Frankreich oder auch Griechenland die Deutschen als arme Schlucker dastehen. Nach Abzug der Sozialversicherung bleibt kaum etwas übrig für den Vermögensaufbau, und wenn er erfolgt, dann wird wieder Steuer draufgeschlagen.
Nicht wir leben über unsere Verhältnisse – der Staat lebt über unsere Verhältnisse.
Jetzt werden wieder die Beitragsbemessungsgrenzen erhöht – das ist eine Beitragserhöhung für Besserverdienende. Das Missverhältnis zwischen Beitrag und Leistung reißt weiter auf.
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