Die Kampf der Grünen, Schwarzen und Roten für das sogenannte „Verbrenner-Aus“ konzentriert sich fast ausschließlich auf Fahrzeuge, Antriebe und Emissionswerte. Was dabei regelmäßig ausgeblendet wird, ist der technisch und ökonomisch sensibelste Punkt der gesamten Verkehrswende: die Raffinerien. Sie sind das Rückgrat der heutigen Energie-, Chemie- und Verkehrsinfrastruktur – und sie funktionieren nicht nach politischen Wunschvorstellungen, sondern nach physikalischen Gesetzen.
Eine Raffinerie ist keine Bäckerei, die beschließen kann, heute nur Brötchen (Kerosin/Chemie) und kein Brot (Benzin) zu backen. Sie unterliegt den Gesetzen der fraktionierten Destillation und kann nicht frei entscheiden, welche Produkte sie herstellt. Rohöl wird in einem physikalisch festgelegten Prozess der fraktionierten Destillation verarbeitet. Aus einem Barrel Rohöl (159 Liter) entstehen zwangsläufig mehrere Produkte gleichzeitig. So setzen sich in modernen europäischen Raffinerien die typischen Durchschnittsanteile zusammen. Je nach Ölsorte (zum Beispiel Brent oder WTI) und Raffinerie-Konfiguration muss eine Raffinerie aus einem Barrel Rohöl zwangsläufig folgende Anteile produzieren (Durchschnittswerte für komplexe Raffinerien):
Das bedeutet: Sinkt die Nachfrage nach Benzin massiv – etwa durch eine Elektrifizierung des Pkw-Verkehrs – kann die Raffinerie die Benzinproduktion nicht einfach „abschalten“. Sie steht vor zwei Optionen: Entweder sie produziert Benzin auf Vorrat, das niemand mehr kauft, oder sie drosselt die gesamte Anlage. Beides ist wirtschaftlich hochproblematisch.
Raffinerien sind extrem kapitalkostenintensive Anlagen mit hohen Fixkosten und sehr niedrigen Margen pro Liter. Rentabel sind sie nur bei hoher Auslastung, meist oberhalb von 80 bis 85 Prozent. Fällt das Volumen von Benzin und Diesel um 30 oder 40 Prozent, rutschen nahezu alle europäischen Raffinerien tief in die Verlustzone.
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