Nirgendwo auf der Welt gibt es eine höhere Dichte von Schallplattenläden, Cafés mit Blaubeer-Pancakes und Geschäften für Fetisch-Bekleidung als hier. Beidseits der Warschauer Straße in Friedrichshain erstreckt sich das traditionelle Zentrum von Berlins linkem Lebensstil. Hier lag mit der Rigaer Straße 94 das umkämpfteste besetzte Haus der Stadt, dessen autonome Verteidiger selbst vor Mordversuchen mit Falltüren und Brandsätzen gegen die Polizei nicht zurückschreckten. Auf dem legendären RAW-Gelände formierte sich die Gegenkultur – doch das alles bröckelt längst.
Für die Linke war die Gegend nach der Wende so interessant, weil ein Niemandsland zwischen Ost und West entstanden ist. Entlang von S-Bahn-Gleisen feiern Jugendliche hier ihre erste Party in einer Wildnis aus Beton, in Sackgassen und Kreisverkehren dazwischen lernt man Autofahren. Im Norden wird die Gegend begrenzt von der ehemaligen Prachtstraße der DDR, der Frankfurter Allee – selbst die hier wohnenden Rentner haben also vielfach kommunistischen Hintergrund.
Früher hieß die übrigens Stalinallee, das weiß ich, weil ein Lehrer den Namen noch wie selbstverständlich verwendet hat. Sie bildet eine spektakuläre Sichtachse auf den Fernsehturm, das Regime ließ hier Gebäude und Türme im Stil des sozialistischen Klassizismus bauen. Stalin ordnete die Nachahmung klassischer Motive als Abgrenzung zum kühlen internationalen Stil des Westens an. In dieser falschen, monumentalen Schönheit fühlt sich der moderne Linke auch heute sehr wohl.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










