Friedrich Merz ist der einzige Staatschef, der an diesem Vormittag keine Fragen zulässt. „Hier, im hohen Norden Europas, kann man sehen, wie gefährdet der Frieden in Europa ist“, floskelt der Kanzler lapidar in die aufgestellten Mikrophone. „Ich kann nur an uns alle appellieren, diese Bedrohung ernstzunehmen.“ Keine anderthalb Minuten spricht der Kanzler, dann dreht er sich weg. Mit der innenpolitischen Lage will er sich nicht beschäftigen.
So kommt es zu der skurrilen Situation, dass Friedrich Merz zu der Krise, die sich rund um ihn entfaltet, beharrlich schweigt – während die anderen Staats- und Regierungschef dazu Stellung nehmen. Dort müssen ihm die Kollegen den Rücken stärken. Es hat fast etwas von einem Demütigungsritual.
Merz sei trotz der derzeitigen innenpolitischen Krise noch ein verlässlicher Partner, sagt Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo. „Er ist der gleiche Kanzler wie zuvor. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit und er spielt eine sehr große und sehr wichtige Rolle in der Europäischen Union.“
Der lettische Ministerpräsident Andris Kulberg erklärt gutmeinend. „Merz hat gezeigt, wie wichtig ihm die Arktis ist, dass wir dort präsent sein und an einem Strang ziehen müssen.“ Und Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda gibt Merz fast so etwas wie mahnende Worte mit auf den Weg. Er sei besorgt wegen des Wahlergebnisses, das „eine bestimmte populistische Partei“ erzielt habe, drückt er aus. Man müsse auch im Hinblick auf die Wirtschaft, Beschäftigung und Wachstum liefern, sonst werde man vom Wähler abgestraft, sagte der litauische Präsident weiter.
Diese Art von Zuspruch dürfte für Friedrich Merz eine echte Strafe sein. Immerhin drückt sie aus, dass man auch im Ausland klar erkannt hat: dieser Mann hat fertig. Davon, vom „Fertig haben“ im Sinne Trappatonis, will Friedrich Merz aber nichts wissen. Der Kanzler will mit dem „Arktis-Gipfel“ der EU-Staaten im finnischen Rovaniemi mal wieder zu einem Befreiungsschlag ansetzen. Merz flüchtet sich wieder in sein Element – er mimt den Außenkanzler.
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