Im Zentrum der Kontroverse steht das Emissions Trading System (ETS), das seit 2005 Kraftwerke und Industrieanlagen verpflichtet, für jede ausgestoßene Tonne CO₂ ein Zertifikat zu erwerben. Das Prinzip scheint klar: Wer mehr verschmutzt, zahlt mehr. Der steigende Preis für Emissionen soll Investitionen in saubere Technologien fördern und fossile Energien Schritt für Schritt unattraktiver machen.
Doch eine der größten Volkswirtschaften Europas will dieses Instrument nun aussetzen, berichtet Politico: Italiens Industrieminister Adolfo Urso bezeichnete den Emissionshandel als „nichts anderes als eine Steuer“ auf energieintensive Unternehmen – was wiederum die Preise für alle Endverbraucher erhöht. Um eine grundlegende Reform vorzubereiten, müsse das System zunächst pausieren, forderte er am Rande eines Treffens der EU-Wirtschafts- und Industrieminister.
Die politischen Signale aus Rom und anderen Hauptstädten haben unmittelbare Folgen für die Märkte. Anfang des Monats hatten scharfe Industrieproteste sowie ein Vorstoß des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, das ETS abzuschwächen, den CO₂-Preis binnen weniger Tage von 81 auf 72 Euro abstürzen lassen. Nach Ursos jüngsten Äußerungen fiel der Preis weiter auf etwas über 70 Euro. Händler sprechen von wachsender Nervosität und hoher Volatilität im Vorfeld der für dieses Jahr geplanten Reform des Systems.
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