Bombardierte Kirchen, zerstörte Häuser, Vertreibung: „Christsein im Sudan ist ein langer Weg des Leidens“

vor 9 Monaten

Bombardierte Kirchen, zerstörte Häuser, Vertreibung: „Christsein im Sudan ist ein langer Weg des Leidens“
Bildquelle: NiUS

Vor zwei Jahren hat es begonnen – in unmittelbarer Nähe seines Schlafzimmerfensters. „Wie zwei Donnerschläge“, beschreibt der Sudanese den ohrenbetäubenden Lärm der Bomben, die unweit seines Hauses im Sudan explodierten, gegenüber NIUS. Kurz darauf hat der arabischstämmige Christ sein Land verlassen. Im April 2023 spitzte sich die Situation in dem von unzähligen Militärputschen und Konflikten gebeutelten Land zu.

Die Spannungen zwischen den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ („Schnelle Unterstützungskräfte“, RSF) und der sudanesischen Armee (SAF) eskalierten – und hören nicht auf. Zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg, ungefähr 150.000 sind bereits getötet worden.

Die 2023 durch Bomben zerstörte Kirche in Omduram (Quelle: Open Doors)

Die Leidtragenden sind Minderheiten – vor allem Christen. Auf dem Weltverfolgungsindex der christlichen Hilfsorganisation „Open Doors“ liegt der Sudan auf Platz 5 – von 50 Ländern, in denen Christen Diskriminierung und Verfolgung am stärksten ausgesetzt sind. „Open Doors“ schätzt, dass ungefähr 4,1 Prozent der Bevölkerung im Sudan Christen sind. Der Großteil ist muslimisch.

NIUS sprach mit einem sudanesischen Christen, der inzwischen in einem Land im Nahen Osten wohnt. Aus Sicherheitsgründen muss seine Identität geheim gehalten werden. Im NIUS-Interview erzählt er, durch welches Leid die Christen im Land gehen müssen, ob es gezielt einen Völkermord an ihnen gibt und wieso der Sudan fest in der Hand von Islamisten ist.

NIUS: Was passiert derzeit in der Region Darfur? Es gibt Medienberichte, dass Christen dort systematisch von der islamistischen paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF) getötet werden. Stimmt das?

SUDAN: Zur Einordnung, was mit Christen im Sudan passiert: Ja, sie sind seit 2003 im Visier von arabischen Stämmen – sowohl von der Armee als auch von aggressiven Milizen. Damals gab es Kämpfe der arabischen Milizen in Darfur. Seitdem gibt es nicht mehr viele Kirchen und Christen unter den Darfuris. Aber 2007 gab es eine Welle der Bekehrung in der Region – besonders unter afrikanischen Arabern. Einige Muslime wurden zu Christen. Viele von ihnen waren deshalb gezwungen, das Land zu verlassen. Wie Sie wissen: Wenn du vom Islam abfällst, wirst du nach dem Gesetz und Gewohnheitsrecht zum Tode verurteilt. Einige flohen nach Ägypten, einige nach Europa. In den Flüchtlingslagern gibt es viele sudanesische Christen, die meisten mit arabischem Hintergrund. Die Regierung wollte uns Christen nicht im Land haben, es gab Angriffe.

NIUS: Wie ist die aktuelle Lage für die Christen in Darfur?

SUDAN: Was jetzt in Darfur passiert, richtet sich nicht ausschließlich gegen Christen. Aber Christen leiden am meisten, weil beide Seiten sie nicht wollen: Viele können nicht zu ihren ursprünglichen Stämmen oder in ihre Heimat zurück, weil sie ursprünglich aus muslimischen Familien stammen und diese sie nicht wollen. Viele von ihnen sind aus arabischen Stämmen, deshalb sind sie weder bei den RSF noch bei der Armee willkommen. Das ist die Lage der Christen.

NIUS: Können Sie uns mehr über den Konflikt in der Region Darfur erzählen?

SUDAN: Über lange Zeit hielt die sudanesische Armee (SAF) die Stellung und verteidigte Al-Faschir, eine große Stadt in West-Darfur. Lange Zeit veröffentlichte die Armee Videos und Nachrichten, dass die Menschen in Al-Faschir die SAF und ihren General Abdel Fattah al-Burhan unterstützen. Das führte dazu, dass die RSF wütend wurde. Am 26. Oktober, mitten in der Nacht, verließ die Armee die Stadt und floh. Manche sagen, das war eine Absprache zwischen RSF und der SAF. Jedenfalls ließen sie die Bevölkerung zurück. Die arabischen Aggressoren übernahmen die Kontrolle. Es war wie eine Racheaktion gegen die Bevölkerung der Stadt. Und es gibt gezielte Angriffe auf afrikanische Stämme überall.

NIUS: Also ist es richtig, dass RSF-Kämpfer ethnische Gruppen in Darfur ins Visier nehmen?

SUDAN: Ja. Es ist ein Krieg zwischen RSF und SAF. Beide sind islamistisch – beide stammen aus derselben islamischen Bewegung im Sudan. Viele sind stark in arabischen Gruppen verankert und richten sich gegen afrikanische Gruppen.

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