Es besteht ein fundamentaler psychologischer und philosophischer Unterschied zwischen inhabergeführten Familienunternehmen und den relativ anonymen, hochkapitalisierten Aktiengesellschaften. Wohl und Wehe eines Familienbetriebs ist eine persönliche Sache. Eigentümer haften vielfach mit ihrem Privatvermögen. Auch der Planungshorizont ist ein anderer.
Kommt es zu einer Krise, werden alle Kräfte aktiviert, um das häufig über Jahrzehnte, vielleicht auch generationenübergreifende Firmenkonstrukt am Leben zu halten. Volkswagen beweist dieser Tage, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen angestellten Vorständen und Eigentümerunternehmern besteht.
Man kann es als taktlos bezeichnen, realitätsabgewandt, möglicherweise auch als Gier, was der VW-Vorstand um Oliver Blume hinsichtlich der eigenen Prämien beschlossen hat. Nach einer Kürzung der Boni für die Mitarbeiter angesichts des katastrophalen Geschäftsverlaufs im vergangenen Jahr überraschte der VW-Vorstand mit einer zusätzlichen Prämienzahlung an die Vorstände von bis zu 1,75 Millionen Euro pro Kopf.
Was war geschehen? Den Bilanzprofis in Wolfsburg war ein kleiner Coup gelungen. Nachdem man im vergangenen Jahr im Grunde genommen schon die Bücher geschlossen hatte und nicht mehr mit einem positiven Ergebnis rechnen durfte, erschien wie aus dem Nichts ein positiver Cashflow in der Bilanz – von etwa sechs Milliarden Euro. Oberhalb der Grenze von 5,6 Milliarden werden für die VW-Vorstände weitere Boni aktiviert. Das Etappenziel war erreicht.
Wie war das möglich?
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