Neuer Weckruf von Bosch. Konzernchef Stefan Hartung denkt öffentlich darüber nach, dass in naher Zukunft deutlich mehr als die bereits geplanten 22.000 Stellen abgebaut werden könnten. Offiziell bleibt man bei Bosch in Stuttgart natürlich vorsichtig. Es sei „nicht unsere Annahme“, dass so etwas passieren könne, heißt es beschwichtigend. Doch wird deutlich, wie dünn das Eis für die deutsche Industrie mittlerweile geworden ist. Denn was hier als standortspezifische Maßnahmen verkauft werden soll, ist tatsächlich ein struktureller Rückbau einer Schlüsselindustrie, der durch katastrophale politische Entscheidungen verursacht worden ist.
Der bereits geplante und beschlossene Stellenabbau bis 2030 trifft vor allem den Autozulieferbereich bei Bosch. Also genau jenen Teil der Wertschöpfung, der über Jahrzehnte Bosch hohe und sicher Renditen gebracht hat und den massgeblich zum deutschen Wohlstand beigetragen hatte. Dass Bosch jetzt dafür sogar ein negatives Ergebnis in Kauf nimmt, zeigt, wie ernst die Lage ist. Man hofft, dass wenn man heute Rendite opfert, morgen überhaupt noch produzieren zu können.
Wenn der Bosch-Chef vor einem weiteren Schrumpfen der Industrie warnt, ist das keine Lobby-Rhetorik, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme der Realität. Also etwas, dass die Politik scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Aber da sich die Brandmauerparteien einig sind, die Realität immer weiter zu verleugnen, wird auch diese Warnung bei ihnen, wie alle anderen davor und danach, ungehört verhallen.
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